Deutschlands „Raumfahrtchef“ im Interview

Gefahr aus dem All mit Laser bekämpfen

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Foto: Deutschlands „Raumfahrtchef“ Johann-Dietrich Wörner spricht auf einer Fachmesse in Moskau auch über Gefahren aus dem All.

Moskau - Viel Geld investiert Deutschland jedes Jahr in die Raumfahrt. Doch was gibt es dafür? Ist die Erforschung des Kosmos wirklich notwendig?

Ein halbes Jahr nach dem Einschlag eines Meteoriten in Russland diskutiert Deutschlands „Raumfahrtchef“ Johann-Dietrich Wörner auf einer Fachmesse in Moskau auch über Gefahren aus dem All. „Ich halte es für dringend notwendig, unseren Orbit endlich aufzuräumen“, sagt der Leiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem Interview. In Moskau sprach er auch über den baldigen Flug eines Deutschen ins All.

Abstürzende Meteoriten und Satelliten sorgen immer öfter für Schlagzeilen. Wie lange können wir es uns noch leisten, auf einen Schutz oder eine „Müllabfuhr“ für Weltraumschrott zu verzichten? Im Weltall lauern enorme Gefahren - egal, ob von der Natur oder von Menschen gemacht. Nach 50 Jahren Raumfahrt rasen um unseren Planeten mittlerweile tausende Rückstände. Einige davon fallen unkontrolliert zur Erde. Eine Schutzmaßnahme könnte der Einsatz von Lasern sein, den wir derzeit testen. Damit soll der Müll erfasst oder seine Bahn so verändert werden, dass er in der Atmosphäre verglüht.

Nach sechs Jahren Pause wird 2014 wieder ein deutscher Raumfahrer ins All fliegen. Was erhoffen Sie sich von der Mission? Solche Flüge sind ein besonderer Fähigkeitsnachweis für jede Raumfahrtnation. Sie erregen Aufmerksamkeit. Deutschland beweist damit, dass es international ein zuverlässiger Partner ist. Darüber hinaus wollen wir unterstreichen, dass wir am Projekt der Internationalen Raumstation ISS und deren Nutzung festhalten. Der Flug von Alexander Gerst steht in einer Tradition erfolgreicher Missionen, die 1978 mit Sigmund Jähn ihren Anfang genommen haben.

Apropos ISS - der Betrieb der Raumstation soll spätestens in 15 Jahren enden. Wird es danach ein neues fliegendes Labor geben? Die Diskussion über die Zukunft der bemannten Raumfahrt ist längst eröffnet. Das war auch ein Thema meiner Gespräche hier in Moskau. Denkbar wären etwa Free Flyer - Forschungsplattformen, die um die Erde kreisen. Die Experimente würden dort automatisch ablaufen und später von Astronauten zur Erde zurückgeholt. Es ist auch denkbar, dass ein Teil der ISS abgekoppelt und weiter betrieben wird.

Sollte für die Europäer außer den USA und Russland auch China in absehbarer Zeit ein enger Partner in der Raumfahrt werden? Antwort: Wenn wir in die Geschichte der Raumfahrt zurückblicken, so haben einst verfeindete Länder später erfolgreich gemeinsame Projekte realisiert. Dafür steht schließlich auch die ISS. Die Zusammenarbeit mit China hat übrigens bereits begonnen. Der Flug des deutschen Projektes Simbox, einer Anlage mit biologischen und medizinischen Experimenten, an Bord des Raumschiffs Shenzhou-8 beweist das schon.

dpa

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