Orchidee des Jahres 2014

Gestatten: „Blattloser Widerbart“

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Der „Blattlose Widerbart“ ist die Orchidee des Jahres 2014.

Arnstadt - Orchideen sind ein beliebter Schmuck auf deutschen Fensterbänken. Doch rund 60 Arten blühen in Deutschland auch in freier Natur. Um sie zu schützen, stellen Orchideenfreunde jedes Jahr eine der seltenen Arten in den Mittelpunkt.

Er bildet keine Blätter, aber blassgelbe Blüten mit rosa Schimmer: Der „Blattlose Widerbart“ ist die Orchidee des Jahres 2014. Die Vorstände des Arbeitskreises Heimische Orchideen (AHO) der Bundesländer kürten die seltene Pflanze am Sonnabend bei einer Tagung im thüringischen Arnstadt. Die helmartige Blüte der Orchidee weise die Besonderheit auf, dass die Blütenlippe anders als bei all ihren deutschen Verwandten nach oben zeige, teilte der Arbeitskreis mit. Den Namenszusatz blattlos trägt die Pflanze, weil ihr bis zu zwanzig Zentimeter langer Stängel kahl ist.

Die frisch gekürte Pflanze ernährt sich ohne Chlorophyll. Sie lebt gemeinsam mit Bodenpilzen, mit deren Hilfe sie abgestorbene organische Bodensubstanzen aufnimmt. Diese Ernährung erlaubt dem „Blattlosen Widerbart“ die Besiedlung von dunklen Lebensräumen, in denen die meisten Pflanzen schon nicht mehr existieren können.

Doch die dunklen und feuchten Mischwälder mit altem Baumbestand und dichtem Blätterdach, in denen sich der „Blattlose Widerbart“ wohlfühlt, sind den Orchideenfreunden des AHO zufolge in Deutschland rar geworden. Die Kür zur Orchidee des Jahres 2014 solle daher nicht nur für den Schutz der seltenen Pflanze, sondern auch für die Erhaltung von deren Lebensraum werben.

Je nach Bundesland gilt die Art als stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht, wie Jutta Haas vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen Hessen mitteilte. In Sachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein sei sie bereits seit Jahren nicht mehr entdeckt worden. Auf der Schwäbischen Alb, im Alpenvorland und im Weser-Leine-Bergland komme sie hingegen häufiger vor. Zum Schutz des „Blattlosen Widerbarts“ könne jeder Einzelne beitragen, indem er beim Schauen oder Fotografieren auf den Waldwegen bleibe. Die leicht brüchigen und zur Vermehrung dienenden Ausläufer seien unter dem Laub nicht zu sehen und könnten leicht zertreten werden, betonte Haas.

Seit 1988 wird jährlich eine besonders gefährdete Art als Orchidee des Jahres ausgewählt, um für einen besseren Schutz der rund 60 in Deutschland vorkommenden Arten zu werben. Derzeit trägt das "Purpurne Knabenkraut" den Titel.

dpa

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