Klimawandel

Gletscherforschung beachtet Schutt zu wenig

- Wissenschaftler vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften und der Universität von Kalifornien in Santa Barbara haben 286 Himalaya-Gletscher anhand von Satellitenbildern im Zeitraum von 2000 bis 2008 untersucht und festgestellt, dass sich die Folgen des Klimawandels auf die Gletscher ohne Analyse der Schuttbedeckungen nicht verlässlich darstellen lassen.

Die Folgen des Klimawandels auf die Gletscher im Himalaya lassen sich ohne Analyse der Schuttbedeckungen nicht verlässlich darstellen. Dieser Überzeugung ist der Potsdamer Wissenschafter Dirk Scherler. Gemeinsam mit Kollegen vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften und der Universität von Kalifornien in Santa Barbara hat er 286 Himalaya-Gletscher anhand von Satellitenbildern im Zeitraum von 2000 bis 2008 untersucht. „Dabei hat sich sehr deutlich gezeigt, welche große Auswirkung die Schuttbedeckung auf die Dynamik der Gletscher haben kann“, sagte Scherler der Nachrichtenagentur dpa.

So könne der Zustand eines Gletschers fälschlicherweise als gut eingestuft werden ohne Überprüfung, ob dieser noch aktiv ist. Durch Messungen der Fließgeschwindigkeiten konnten die Forscher aufdecken, das zahlreiche schuttbedeckte Himalaya-Gletscher sich zwar nicht zurückziehen - gleichzeitig aber über große Bereiche inaktiv sind.

„Da ein dicke Schuttschicht wie eine Art Wärmedämmung funktioniert, spielt der Grad der Bedeckung eine wesentlich Rolle“, betonte Scherler. Diese Daten fänden bislang jedoch in der Forschung zu wenig Beachtung. So seien sie kein Bestandteil globaler Gletscherdatenbanken wie der des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes (WGMS).

Insgesamt belege die Untersuchung: Die meisten Himalaya-Gletscher sind in Bewegung und schmelzen. Allerdings gibt es regionale Unterschiede in ihrer Reaktion auf den Klimawandel, berichtete der Diplom-Geograph. Die Schuttbedeckung hängt mit der Schroffheit des Geländes zusammen und die variiert in der Region sehr stark. „Prinzipiell gibt es den Trend: Sind sie schuttfrei, ziehen sie sich zurück - und das mitunter auch recht schnell.“

Die Karakoram-Region im Nordwesten des Himalayas sticht in der Studie heraus: 58 Prozent der beobachteten Gletscher sind aktiv und stabil oder dehnen sich sogar mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von wenigen Metern pro Jahr aus. „Das steht in deutlichem Kontrast zu den Gletschern in anderen Regionen.“ Dort seien bei mehr als zwei Drittel der Gletscher zu beobachten, dass sie schmelzen - rund zehn Meter pro Jahr. Seine Studie ist im Fachjournal „Nature Geoscience“ erschienen.

Nach Ansicht des Geographen sind für eine seriöse Diskussion über die Klimafolgen für die Himalaya-Gletscher weitere Daten unerlässlich. „Sonst bleibt zu viel Raum für Spekulationen.“ Er verwies auf Diskussionen über die Zukunft der Himalaya-Gletscher in Folge einer falsch wiedergegebenen Prognose im IPCC-Report 2007, wonach die Gletscher bereits bis 2035 abgeschmolzen sein sollten.

„Wir stehen noch vor einem großen Datenloch, weil das Gebiet weniger gut erforscht ist als beispielsweise die Alpen.“ Dafür gebe es verschiedene Gründe: Die beteiligten Länder wie Indien und Pakistan verfügten nicht über viele Forschungsgelder, zudem sei das Gebiet weniger zugänglich und nur mit aufwendigen Touren erreichbar. Die Auswertung von Satellitenbildern sei eine Möglichkeit, dennoch verlässliche Daten zu erhalten, meinte Scherler.

dpa

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