Insekt des Jahres 2014

Gold für die Goldschildfliege

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Foto: Der goldige Brummer lebt nur wenige Wochen.

Karlsruhe/Braunschweig - Sie ist so groß wie ein Fingernagel und bunt: Die Goldschildfliegefällt aufgrund ihrer schimmernden orange-goldenen Färbung auf. Zumindest die Männchen. Der kleine Flieger ist Insekt des Jahres 2014.

Sie hat einen Zentimeter Körperlänge und ist auffallend bunt gefärbt: Das Männchen hat rote Augen, orangefarbene Flügel und einen goldgelben Rücken. "Das Insekt des Jahre 2014 ist sozusagen ein goldiger Brummer", sagt Kuratoriumssprecher Wohlert Wohlers vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig. Es ist die Goldschildfliege.

Während die Fliegen-Männchen schillern, sind die Weibchen allerdings nicht so farbenfroh ausgestattet. Ihre Flügel sind durchsichtig gläsern, der Körper schwarzbraun oder schwarz. Sie legen ihre Eier in die Larven von großen Wanzen, die an Pflanzen saugen. Die Fliegen selbst besuchen Blüten und ernähren sich von deren Nektar. Der goldene Brummer lebt nur wenige Wochen. Dennoch kann man die Goldschildfliege von Ende Mai bis in den Oktober sehen, weil sie zwei Generationen pro Jahr entwickelt.

Im Gegensatz zum südlichen Europa sind die Fliegen in Mittel- und Nordeuropa im Frühjahr und Sommer allerdings selten und eher im Herbst aktiv. "Die Goldschildfliege ist besonders gut im süddeutschen Raum vor allem an Waldrändern und Hecken zu sehen", sagt Wohlers. Sie gehört zu den 10.000 Fliegenarten, die in Mitteleuropa leben. Wie alle Fliegen zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie nur ein Flügelpaar haben.

Das zweite Paar ist zu Schwingkölbchen umgewandelt, das ihrem Flug Stabilität gibt. Die Goldschildfliege gehört zu den Tachiniden (Raupenfliegen). Das sind Fliegen, die sich häufig auf eine Insektengattung spezialisiert haben, über die sie sich parasitär fortpflanzen. 511 Arten gibt es davon in Deutschland. Am häufigsten ist die Goldschildfliege auf blühenden Hochstaudenfluren und Halbtrockenrasen bei der Nektaraufnahme zu beobachten.

Nach der Paarung suchen die Weibchen nach geeigneten Wirten an blütenreichen Waldrändern, wo sich die Wirtstiere für die Larven gerne aufhalten. Als Wirte sind vor allem Baumwanzen wie die Graue Gartenwanze und die Grüne Stinkwanze bekannt. Die Weibchen durchdringen die feste Hülle der Wanzen mit einem speziellen Legeapparat und legen ein Ei in deren Körper. Die daraus schlüpfende Fliegenlarve lebt als Innenparasit erst von der Körperflüssigkeit und von Fettzellen, später greift sie auch die lebenswichtigen Organe des Wirtes an und tötet ihn dadurch. Die Larve verpuppt sich. Wo sie das tut und wo sie überwintert, ist nicht bekannt. Wie bei vielen Insekten ist der Lebenszyklus noch nicht völlig erforscht.

Auch im Norden auf Eroberungskurs

Die Goldschildfliege (lateinisch Phasia aurigera), hat ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet von Spanien bis zum Iran und ein zweites Teilareal auch im Fernen Osten Russlands und in China. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts kam sie in Mitteleuropa nur bis zum Harz und bei Berlin vor. Aber sie hat sich jetzt weiter nach Norden verbreitet.

Nicht nur in Norddeutschland, auch in den Niederlanden und in Dänemark ist sie in den vergangenen Jahren gefunden worden, in Schweden und Großbritannien allerdings noch nicht. Insekten hätten ein eher negatives Image, "weil man immer zuallererst an Wespen oder Flöhe denkt", sagt Wohlers.

Das Kuratorium Insekt des Jahres, das aus zehn Experten und Naturschützern besteht, will dies ändern: "Wir wollen für Insekten Sympathien wecken", sagt er. Das Insekt des Jahres solle auf "besonders seltene oder schöne Tiere hinweisen, die man auch in der Natur sehen kann."

dpa

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