Verhaltensforschung

Graupapageien intelligent wie Menschenaffen

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Foto: Graupapgeien sind extrem clever. Das haben Verhaltenforscher in Wien herausgefunden.

Wien - Klack, klack, klack, klack. Eine Forscherin schüttelt eine Plastikbox mit einem Stück Walnuss. Dann schüttelt sie eine Box ohne Walnuss. Vor ihr steht ein Graupapagei. Die Forscherin will wissen, was der Papagei denkt. Der Papagei will die Nuss und wählt die richtige Box, bei jedem neuen Versuch. Die Forscherin ist zufrieden, der Papagei ist satt.

Graupapageien können ähnlich komplex denken wie dreijährige Kinder. Das berichtet ein deutsch-österreichisches Forschungsteam um Christian Schloegl in der Onlineausgabe des Fachmagazins „Proceedings of the Royal Society“. Bisher wurde ein solch logisches Denken nur bei Menschenaffen nachgewiesen.

Die Verhaltensbiologen untersuchten sechs untrainierte Graupapageien in einer Auffangstation in Wien. Eine Forscherin stellte sich, so beschreibt es ­Schloegl, in einen abgetrennten Raum in der Voliere. „Die Papageien konnten so selbst entscheiden, wer mitmachen wollte“, sagt Schloegl. Von zehn Graupapageien hatten sechs Lust und wagten sich nacheinander an einem schwarzen Vorhang vorbei. In den Behältern, die die Wissenschaftler seitlich schüttelten, klackten Walnüsse. Die Nüsse waren geviertelt. Nicht wegen des Geräuschs – aber für jedes Erraten durften die Papageien den Inhalt der Box essen. „Bei ganzen Nüssen wären sie zu schnell satt gewesen“, sagt Schloegl. Auch so war nach maximal 14 Durchgängen pro Papagei Schluss. Wenn die Tiere keine Lust mehr hatten, gingen sie einfach wieder am Vorhang vorbei zu den Kollegen.

Die Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz in Wien unterstützt die Arbeit der Wissenschaftler. Der Verein will informieren, damit Menschen besser mit den Tieren umgehen. Papageien dürfen nicht alleine gehalten werden. Wenn ein Papagei gestorben ist, können Besitzer das Partnertier zur Station bringen. Der Papagei kann sich einen neuen Partner aussuchen und ihn mit nach Hause nehmen.

Ein wenig überraschte es die Forscher, wie clever die Papageien sind. Besonders, dass sie sich nicht foppen ließen, als die Behälter nicht geschüttelt wurden, aber dennoch das Klacken erklang – aus Lautsprecherboxen.

Die Studie soll nur der Anfang sein. Die sechs ausgewählten Papageien bildeten eine relativ kleine Versuchsgruppe. Zudem waren die Ergebnisse beim Schütteln von oben nach unten nicht eindeutig. Möglicherweise waren die Tiere abgelenkt, mutmaßen die Forscher. Denn Papageien verständigen sich untereinander auch durch Kopfnicken.

Schloegl hofft durch die Studie auch auf einen besseren Umgang mit den intelligenten Tieren. Er selbst arbeitet mittlerweile am Deutschen Primaten Zentrum in Göttingen. Die Papageien aus Wien haben Feierabend. Das Rätsel mit den Boxen haben sie gelöst. Wahrscheinlich grübeln sie nun über die Frage, wann die Frau mit den Walnüssen wiederkommt.

Gerd Schild

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