Welches Karriere-Netzwerk bietet was?

Der große Vergleich: Xing vs. LinkedIn

Wer macht im großen Vergleich das Rennen? Der amerikanische Gigant LinkedIn oder das Hamburger Netzwerk Xing.

München - Egal, ob auf Jobsuche oder zur Kontaktpflege: Das Internet ist längst das Medium zum sozialen Austausch. Doch welches Portal hat wirklich sinnvolle Angebote? Wir machen den Vergleich.

Gute Beziehungen gelten immer noch als die wichtigste Voraussetzung, um im Berufsleben schnell Fuß zu fassen, eine bessere Anstellung zu finden oder Karriere zu machen. Wer ohne Vitamin B auf die Welt gekommen ist, muss meist hart daran arbeiten, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Kontakte pflegen und Karrierechancen ausbauen - das soll mit sogenannten Business-Networks einfacher werden. Doch was können diese Online-Portale überhaupt leisten? Wie einfach ist es, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen? Wir haben die beiden größten Netzwerke in Deutschland, Xing und LinkedIn auf ihre Funktionalität getestet. Wer liegt im umfassenden Vergleich vorne?

Mitglieder und Reichweite

Laut eigener Angaben hat Xing insgesamt 7,5 Millionen Nutzer (Stand: September 2013) im deutschsprachigen Raum. Davon sollen ganze 800.000 Mitglieder die zusätzlichen kostenpflichtigen Dienste nutzen. Rund 14 Millionen Mitglieder sollen weltweit angeschlossen sein. Die in Hamburg gegründete Plattform feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen.

Im Vergleich wesentlich internationaler aufgestellt ist das amerikanische Karriere-Netzwerk LinkedIn. Ebenfalls seit 2003 online, hat es laut der aktuellsten Firmenstatistik rund 259 Millionen Mitglieder aus insgesamt 200 Ländern. Davon sollen rund vier Millionen in Deutschland sitzen.

War Xing jahrelang Marktführer in Deutschland, hat der amerikanische Netzwerker nun die Verfolgung aufgenommen. In den letzten zehn Monaten stiegt die Zahl der Mitglieder von LinkedIn hierzulande um ein Drittel an. Der Hamburger Riese Xing liegt zwar weiterhin vorne, wächst jedoch deutlich langsamer.

Anmeldung und Orientierung

Auf der Homepage von Xing kann der Nutzer sich in den Kategorien Jobs, Projekte, Gruppen, Events und Unternehmen umsehen. Auf der Startseite werden Neuigkeiten, ähnlich wie bei sozialen Netzwerken, von den hinzugefügten Gruppen, Events oder Kontakten angezeigt. Eigene Posts können nur die Kontakte sehen. Wenn ausgewählt, wird der Beitrag auch simultan auf Twitter und Facebook veröffentlicht. In dem Textfeld können Nutzer auch die Art der Veröffentlichung angeben: Xing unterscheidet zwischen Mitteilung, Link, Stellenangebot und Umfrage.

Auf der Startseite von LinkedIn wird die Annäherung von beruflichen an soziale Netzwerke ebenfalls sehr deutlich: Auch dort können Beiträge verfasst und gepostet werden. Auch die Beiträge von Kontakten oder Seiten erscheinen dort. Wie bei Twitter können User den Unternehmen, Gruppen oder Hochschulen "folgen". Generell ist eine Vielzahl internationaler Unternehmen dort präsent, meist auch mit sehr professionell aufgebauten Auftritten.

Das eigene Profil

LinkedIn kommt auch hier im typischen Social Network Interface daher. Das war nicht immer so und auch oft Anlass für Kritik daran, dass es nur sehr passiv nutzbar sei. Seit 2012 werden im Profil verschiedene separate eckige Boxen angezeigt für Kurzinformationen über den User, die neuesten Aktivitäten und Posts, der berufliche Werdegang und Kontakte, sowie in der Seitenleiste die Aussagekraft des Profils und letzte Aufrufe. Es können zudem Videos, Bilder und Dokumente hochgeladen werden. Auch hilfreich für die eigenen Reputation ist die Möglichkeit, von anderen Nutzern in der Kategorie "Kenntnisse" bestätigt zu werden. Die Selbsteinschätzung wird von den Kontakten oder Vorgesetzten bewertet, indem ihnen zugestimmt wird oder eben auch nicht. Im Profil wird dann aber nur die Zahl der Zustimmungen angezeigt. Zum Beispielprofil von LinkedIn geht es hier.

Mit dem neuen, überarbeiteten Profil hat Xing mindestens gleichgezogen, wenn nicht sogar den Konkurrenten überholt. Das drückende dunkelgrün ist verschwunden, alles wirkt hell und übersichtlich. Im Profil kann seit der Umstellung 2013 auch ein Portfolio angelegt werden, beispielsweise mit Bildern von einem Vortrag und dem entsprechenden Script dazu. Dank grüner Blasen sieht der Profilbesucher sofort, wo und wieviel Arbeitserfahrung der User hat. Zur Musterseite von Xing geht es hier.

Reichweite und Verknüpfung mit anderen sozialen Netzwerken

Im Xing-Profil besteht außerdem die Möglichkeit direkt alle Kanäle einzugeben, auf denen man im Internet erreichbar sein könnte. Neueste Tweets, der aktuelle Blog-Eintrag oder andere Profile im Netz können Besucher der Profilseite in einer Zusammenfassung betrachten. Ebenso dürfen die Nutzer simultan bei Facebook und Twitter die eigenen Postings veröffentlichen.

Hingegen bietet LinkedIn, vielleicht auch weil das Netzwerk eher auf den amerikanischen Markt ausgerichtet ist, nur Simultanveröffentlichungen bei Twitter an. Im Gegensatz zu Xing haben die Nutzer allerdings die Möglichkeit ewas öffentlich, außerhalb der eigenen Kontakte mitzuteilen. Hat man jedoch nur seinen eigenen Kontakten etwas zu sagen, besteht keine Kopplung mit anderen Social Media Kanälen.

Kostenpflichtige Varianten: Möglichkeiten und Kosten

Das Netzwerk LinkedIn hat gleich drei verschiedene Bezahlversionen für den Normalverbraucher im Angebot: Business, Business Plus und Executive. Im Gegensatz zur kostenlosen Variante können Abonennten für einen Beitrag zwischen 18,39 Euro und 66,36 Euro monatlich die Liste der Profilbetrachter vollständig sehen - selbst die Profile bis zum dritten Grad der Bekanntschaft und deren vollständige Namen - sowie Nachrichten an alle Mitglieder senden und erlauben, dass jeder ohne vorherige Zustimmung Kontakt aufnehmen kann.

Xing hingegen bietet nur eine kostenpflichtige Variante: Für 9,95 Euro im Monat, die Preise variieren je nach beruflichem Status, bietet die Premium-Mitgliedschaft mehr Möglichkeiten, die auch von Arbeitssuchenden genutzt werden können: Das eigene Profil ohne Werbung darstellen, mit Referenzen von Anderen versehen und die Besucherstatistik anzeigen. Seit neuestem ist der Upload von Dokumenten, wie Zeugnis oder Lebenslauf in eine Portfolio nicht mehr kostenpflichtig. Diese Funktion war zuvor nur Premium-Mitgliedern vorbehalten.

Genutzt werden die kostenpflichtigen Zusatzdienste hauptsächlich von Anwerbenden und höher Positionierten. Headhunter wie Personalvermittler benötigen diese Funktionen, um barrierefrei und zielgerichtet nach potenziellen Arbeitnehmern zu suchen. Für User, die hauptsächlich sich und ihre Arbeitskraft anbieten oder eben nur Kontakte pflegen möchten, ist meist nur die Profilstatistik nützlich, um herauszufinden, auf welchem Wege andere auf das eigene Profil aufmerksam geworden sind. Insgesamt stößt man als User beider Portale aber ständig auf die Grenzen des Kostenlosen, was mitunter störend sein kann.

Kommunikation und Überwindung der Hemmschwelle

Generell gilt in beruflichen Netzwerken: Je mehr man von sich selbst preisgibt, desto größer der Nutzen. Gerade Arbeitssuchende werden schneller gefunden, wenn alle Angaben ausgefüllt werden. Bei Xing sogar noch leichter, da der Nutzer direkt im Profil auswählen kann in welcher Funktion er hier ist. Durch die öffentlichen/halböffentlichen Postings wird die Kontaktaufnahme in beiden Netzwerken weniger kompliziert und formell. Generell gilt bei den kostenlosen Mitgliedschaften: Man kann nicht unbedingt alle Mitglieder anschreiben, es sei denn man möchte dafür zahlen.

LinkedIn möchte für drei sogenannte "InMails" mit Antwortgarantie ein Business-Upgrade verkaufen. Dem Pfenningfuchser bleibt da nur die Möglichkeit sich mit völlig Fremden zu "vernetzten". Das heißt der Gegenüber erhält eine sehr kurze Nachricht, dass er/sie ihn gerne als Kontakt hätte. Ebenso verhält es sich auf xing.de. Ganz unkompliziert Erfahrungen austauschen oder virtuelles Händeschütteln, sieht anders aus.

Dafür sind allerdings auch die Gruppen da. In kleineren Kreisen lässt es sich leichter netzwerken. Allerdings ist auch hier die Hemmschwelle relativ groß, ohne jemanden in der Gruppe zu kennen, das Wort an alle zu richten. Über den Schatten zu springen fällt nicht leicht, ist der erste Schritt aber getan, wächst das Netzwerk automatisch mit dem Selbstbewusstsein.

Fazit

Wie immer kommt es darauf an, welche Ziele man verfolgt: Internationale Vernetzung ist mit dem amerikanischen Karriere-Netzwerk LinkedIn einfacher. Besonders Universitäten rund um den Globus nutzen das Portal zum wissenschaftlichen Austausch. Für Jobsuchende, die gerne im eigenen Land bleiben wollen, bietet sich das deutsche Netzwerk Xing eher an, da die meisten anderen User ebenfalls aus Deutschland kommen.

Generell ist das Netzwerken eine eher untypische Form der Geschäftsbeziehung in diesen Breitengraden, daher dürften die Berührungsängste, egal bei welchem Anbieter, gleich groß sein. Der Einfluss von solchen Netzwerken auf den Status und das Berufsleben wächst allerdings zusehends.

Viele Arbeitgeber durchforsten bereits vor einem Bewerbungsgespräch das Internet, um mehr über den Bewerber zu erfahren. Die eigene professionelle Darstellung als erster Klick bei Google kann also nur von Vorteil sein, sofern das Profil auch aktuell oder neutral gehalten ist.

Facebooks Konkurrenz: Soziale Netzwerke im Überblick

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Vanessa Fonth

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