Gourmet-Kost

Hühner aus den Anden legen grüne Eier

- Ostereier für Faule: Die Hühner von Kurt Schultz legen grüne Eier. Der Landwirt von einem Hof im Kreis Plön lässt sie im größeren Stil in Hamburg und Berlin als Gourmet-Kost vermarkten. Aber er musste einiges dafür wagen.

Die Sache mit den grünen Eiern war riskant, fast sogar ein Desaster. Sie war auch nicht Kurt Schultz’ Idee. Er ist Landwirt im Kreis Plön, hält Hühner und verkauft Eier. Auf Wunsch eines Abnehmers, des Inhabers einer Lebensmittelkette, schaffte Schultz sich eine besondere Sorte Huhn an: Grünleger. Sie tun genau das, was ihr Name verspricht. Ihre Eier sind hellgrün, graugrün oder blaugrün. Am Anfang wollte sie kaum jemand in den schicken Geschäften der Lebensmittelkette in Hamburg und Berlin kaufen. „Jetzt läuft es so, dass wir nicht wissen, wo wir sie hernehmen sollen“, sagt Schultz. Gerade zu Ostern.

Rund tausend Grünleger picken auf seinem Hof Nessendorfer Mühle nahe Blekendorf im Gras vor dem Stall. Es sind weiße, grau gesprenkelte und schwarze Tiere inmitten der normalen Hühnerschar. Sie sind eine Kreuzung und stammen von Araucana-Hähnen ab. Diese Urrasse kommt ursprünglich aus den Anden in Südamerika und ist nach einem Indianerstamm benannt.

Experte für das Huhn, das grüne Eier legt, ist hierzulande Michael von Lüttwitz, Vorsitzender des Sondervereins zur Erhaltung des Araucana- und Zwerg-Araucana-Huhnes mit 170 Züchtern. Er erklärt: „Die Farbe kommt vom Biliverdin. Das ist ein Stoff, der in der Galle gebildet wird, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes.“ Warum die Eier aber grün sind, ist nicht geklärt: „Das weiß kein Mensch. Vermutlich hat es Tarnzwecken gedient“, sagt von Lüttwitz. Araucana werden in der Regel nur in kleineren Hühnerscharen gehalten, eine Grün-Ei-Produktion in großen Mengen kennt von Lüttwitz nicht.

So groß der Reiz an den besonderen Tieren ist, wirtschaftlich gesehen sind sie für Kurt Schultz eher ein Problem. „Hühner sollen ruhig sein, viel legen, wenig fressen“, sagt der 59-Jährige. Seine Urhühner, die nur Bio-Futter picken, tun aber eher das Gegenteil: „Sie sind teurer, fressen wie ein Scheunendrescher, und die Legeleistung ist schlecht. Normalerweise gehört so etwas in den Topf.“ Im Schnitt legen die Spezialhühner an sechseinhalb von zehn Tagen ein Ei. Schultz’ andere Hühner - 6500 Bio- und 14 000 Freilandhühner - kommen jeweils auf mehr: achteinhalb Eier in zehn Tagen.

Schultz führt seinen Hof gemeinsam mit seiner Frau Bärbel Sondermann-Schultz in dritter Generation. Rund 300 Hektar Land bewirtschaftet er und baut Mais für seine Biogas-Anlage und anderes Getreide an. Im letzten Sommer schaffte sich das Paar die Grünleger an. Ihre ersten Ur-Küken wurden in Kanada ausgebrütet. Inzwischen züchtet ein süddeutscher Betrieb die Tiere für sie. Die Kosten des Projekts waren am Anfang hoch: Schultz bestellte zum Beispiel besondere Eierschachteln für 26 000 Euro. Doch: „Die grünen Eier waren unverkäuflich.“ 2500 Stück verschenkte der Landwirt an die Tafel, weil niemand sie wollte. „Es war finanziell ein Desaster.“

Inzwischen sei es zwar immer noch schwierig, aber die Nachfrage sei da, sagt Schultz. Wahrscheinlich im nächsten Jahr will er auf 1500 bis 2000 Grünleger aufstocken. Sein Hof sei der einzige, der solche Eier im vermarktungsfähigen Umfang liefere, sagt der Hühnerhalter. Die Eier seien eben etwas Besonderes, schmeckten sogar anders. „Wenn ich Eier habe, die unterschiedlich schmecken, ist das doch irre.“ Dass sie mehr Cholesterin enthalten als andere Eier, hält Michael von Lüttwitz, der Araucana-Fachmann, übrigens für eine Mär.

dpa

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