Gesundheit

Immer mehr Hörgeräte in Deutschland

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Foto: Immer mehr Menschen in Deutschland benötigen ein Hörgerät.

Mainz - Deutlich mehr Menschen haben mittlerweile ein Hörgerät im Ohr - nach Expertenangaben aber oft viel zu spät.

Die Zahl der Hörgeräte in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Während 2002 noch rund 562.000 Hörgeräte verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits knapp 907.000. Das berichtet die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker in Mainz unter Berufung auf Zahlen der Elektroindustrie. Nach Ansicht der Innung liegt der Anstieg an der zunehmenden Alterung der Gesellschaft, aber auch daran, dass die Hemmschwelle für ein Hörgerät sinkt. Viele prominente Träger bekennen sich dazu.

Die Experten sprechen inzwischen von einem Hörsystem. „Es findet eine Entstigmatisierung des Hörsystems statt", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung, Jakob Stephan Baschab, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Ältere Menschen wollen immer stärker am sozialen Leben teilhaben, und vor allem: Sie wollen gut hören.„Auch die Technologie habe sich verändert: "Hörsysteme sieht man fast nicht mehr. Hochwertige Hörsysteme können zum Beispiel über Bluetooth mit dem Handy gekoppelt werden."

Der Innungschef beklagt: „Die Menschen kommen aber viel zu spät zu uns. Sie fangen mit etwa Anfang 60 an, schlecht zu hören, versorgen lassen sie sich aber oft erst mit Anfang 70." Nach Einschätzung der Hörgeräteakustiker haben rund 14 Millionen Menschen in Deutschland Hörprobleme. Nur etwa 2,5 Millionen trügen aber Hörgeräte. Der Gesamtumsatz der Branche lag 2012 bei rund 1,3 Milliarden Euro.

„Die Kosten der Krankenkassen werden erheblich steigen", sagte der Hauptgeschäftsführer. Das liege daran, dass Versicherte einen verbesserten Anspruch auf Versorgung mit Hörgeräten hätten. Das Bundessozialgericht entschied 2009, dass Krankenkassen digitale Hörgeräte künftig in vollem Umfang bezahlen müssen, wenn die medizinische Notwendigkeit klar vorliegt. Derzeit geben Krankenkassen 421,28 Euro als Sachleistung, künftig könnten es nach Ansicht von Baschab mindestens 1000 Euro pro Gerät werden.

dpa

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