Schweinegrippe-Nachwirkungen

Impfung mit Nebenwirkungen

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Schweinegrippe-Impfungen haben in Skandinavien schlimme Nachwirkungen.

Hannover/Stockholm - Der Impfstoff Pandemrix sollte sie eigentlich vor der Schweinegrippe schützen. Wie sich jetzt herausstellt, sind durch ihn aber offenbar Hunderte junge Skandinavier unheilbar erkrankt. Sie leiden an Narkolepsie, einer heimtückischen Schlafkrankheit.

Für die finnische Gesundheitsbehörde ist der Zusammenhang zwischen Schweinegrippeimpfung und Narkolepsie erwiesen. Ein mehr als zwölfmal höheres Erkrankungsrisiko hat man dort bei mit Pandemrix geimpften Kindern festgestellt.

In Schweden wurden seit der Schweinegrippeepidemie 2009 168 Narkolepsie-Fälle registriert: Eine Verbindung zu den Impfungen ziehen die Behörden dort aber noch nicht. Einen möglichen Zusammenhang müsse eine Untersuchung klären. Diese sei zurzeit noch nicht abgeschlossen. In Schweden erhielten 60 Prozent der Bevölkerung damals beide Impfdosen. In Deutschland waren es acht Prozent. Der verstärkte Pandemrix-Einsatz brachte aber offenbar keinen besseren Schutz vor den Folgen der Schweinegrippe: In beiden Ländern war die Rate an Todesopfern genau gleich hoch: 3,1 pro einer Million Einwohner.

In Schweden und Finnland wehren sich die Politiker nun gegen den Vorwurf, dass die groß angelegte Impfung nur eine Panikreaktion auf eine überschätzte Krankheit gewesen sei. „Wir haben richtig gehandelt, und wir würden es wieder so tun“, sagt die schwedische Familienministerin Maria Larsson.

Den Preis dafür zahlen jetzt Kinder wie die fünfjährige Tindra, die sagt, sie wolle, dass „alles wieder wie früher“ sei, dass „mein Gehirn wieder gut wird oder dass ich ein neues bekomme“. Oder der neunjährige Nemo: „Man darf nicht zu viel lachen. Sonst fällt man zusammen“, sagt er. Narkolepsie ist eine Krankheit, die große Müdigkeit auslöst, egal, wie viel man davor geschlafen hat. Der Schlaf kann den Patienten ganz plötzlich übermannen, mitten in der Schulstunde, im Kino, im Schwimmbad. Bei emotioneller Erregung versagen die Muskeln, und der Kranke bricht zusammen, weshalb viele Betroffene mit Psychopharmaka behandelt werden müssen, um ihre Gefühle zu dämpfen. Inger Atterstam, Wissenschaftsreporterin der Zeitung „Svenska Dagbladet“, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Impfung und Krankheit aufdeckte, spricht von einer „medizinischen Tragödie“.

„Völlig unerwartet“ kommen die Vorwürfe hingegen für Anders Tegnell von der schwedischen Sozialbehörde, der für die Durchführung der Massenimpfung zuständig war. „Alle Arzneimittel haben Nebenwirkungen“, sagt Tegnell, und bei der Schweinegrippe hätten sie nur einige wenige getroffen. Es gebe also keinen Grund zur Angst.

Nach den Meldungen aus Skandinavien sind auch die deutschen Gesundheitsbehörden hellhörig geworden. „Wir müssen das Thema verfolgen“, erklärte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland mögliche Impffolgen protokolliert. Weil es keine zentralen Informationen über die freiwillige Impfung gibt, gleicht das Datensammeln der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Alle, die sich nach der Impfung wegen Beschwerden an die Behörden gewandt haben, bekommen jetzt einen umfangreichen Fragebogen. Wann das PEI Ergebnisse aus der Befragungsstudie präsentieren könne, sei jedoch noch unklar, sagte die Sprecherin.

Hannes Gamillscheg und Nicola Zellmer

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