Internet im Urlaub: Eine E-Mail kann 25 Euro kosten

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Auch am Strand wollen viele nicht aufs Internet verzichten

München - Viele wollen auch im Urlaub nicht aufs Internet verzichten. Doch eine Internet kann schon 25 Euro kosten. Was gilt es zu beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Facebook am Strand, Twittern am Pool, E-Mails und Skype-Telefonate im Hotelzimmer – gut 60 Prozent aller Onlinenutzer, so schätzen Experten, wollen auch im Urlaub nicht aufs Internet verzichten. Doch sie müssen bei den Kosten enorm aufpassen. Während beim Telefonieren die Roaming-Falle im Ausland in den letzten Jahren ein wenig entschärft wurde, drohen beim Urlaubs-Internet immer noch Horror-Rechnungen. Schon eine einzige E-Mail kann 25 Euro kosten. „Was Datenvolumen betrifft, befinden wir uns scheinbar noch in der Zeit der Raubritter“, warnt Warentest-Experte Rüdiger Stumpf. Wir liefern Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.

1. Wie teuer ist das Surfen im Ausland? Im Gegensatz zum Telefonieren hat die EU die Kosten hier bisher noch nicht reguliert – das Limit von 90 Cent pro Megabyte (MB) Datenmenge gilt erst ab Sommer 2012, zwei Jahre später sollen es dann maximal 50 Cent sein. Und außerhalb der EU, also auch in beliebten Reiseländern wie der Schweiz, der Türkei oder Kroatien, gelten ohnehin keine Kostenlimits. Hier sind Sie der Willkür der Anbieter ausgesetzt. Einige Firmen verlangen deshalb 25 Euro pro MB und mehr. Doch auch bei seriösen Firmen wie der Telekom oder Vodafone können die Kosten gewaltig sein. Nur drei Beispiele: Bei T-Mobile zahlen Sie innerhalb der EU im Tarif „Smart Traveller“ 3,40 Euro pro MB, in der Schweiz mit dem Standardtarif „Weltweit“ sogar 9,80 Euro. Und wenn Sie beispielsweise nach Russland reisen, verlangt Vodafone dort horrende 19,80 Euro pro MB.

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2. Wie viele Megabyte verbrauche ich beim Surfen? Mehr, als Sie denken! Der Aufruf allein der Homepage einer Internet-Nachrichtenwebsite oder das Versenden eines Fotos von der Handykamera per Mail verbraucht in der Regel jeweils rund 1 MB. Internettelefonate über Skype beanspruchen pro Minute gut 1 MB, mit Video sogar etwa 3 MB. Allein fünf Minuten Videotelefonat aus der Schweiz zu 9,80 Euro pro MB schlagen also mit 147 Euro auf die Rechnung – der reine Kostenhorror! Kein Wunder, dass Warentest warnt: Unbedarftes Internetsurfen kann schnell teurer werden als der eigentliche Urlaub. Die verbrauchten Datenmengen sehen Sie übrigens beispielsweise am iPhone unter Einstellungen => Allgemein => Benutzung.

3. Wie kann ich Geld sparen? Wenn Sie im Urlaub mit Ihrem Smartphone, Tablet-Computer oder PC mit Datenkarte ins Internet wollen, sollten Sie sich dringend bei Ihrem Anbieter nach den Kosten und dem Tarif erkundigen, der für Ihre Handykarte eingestellt ist. Mit speziellen Datentarifen fürs Ausland können Sie enorm sparen. Vodafone-Nutzer können ihre heimische Flatrate praktisch ins Ausland „mitnehmen“ – je nach Vertrag ist die Option „ReiseFlat Data“ gratis oder kostet 5,99 Euro im Monat. T-Mobile bietet fürs EU-Ausland seit 1. Juli die Flatrate-Option „Travel & Surf“ an, bei der Sie pro Tag 1,95 oder pro Woche 14,95 Euro bezahlen. Sie können sich auch fürs Urlaubssurfen eine spezielle Datenkarte eines Discounters besorgen – bei Blau oder Simyo zahlen Sie in der EU relativ humane 49 Cent pro MB. Die genauen Kosten praktisch aller Anbieter finden Sie in der Warentest-Datenbank unter http://goo.gl/zmxrG.

4. Muss mich mein Anbieter vor Horror-Rechnungen warnen? Innerhalb der EU sind die Firmen verpflichtet, Ihre Datenverbindung zu kappen, wenn Sie im Ausland binnen eines Monats Internetkosten von 59,50 Euro erreicht haben. Bei 80 Prozent dieser Summe, also bei 47,60 Euro, erhalten Sie per SMS eine Warnung. Und wenn das Limit ausgeschöpft ist, können Sie nur weitersurfen, wenn Sie die Sperre per Anruf bei der Hotline aufheben lassen. Dieser Schutz gilt aber nur in der EU. Schon in der Schweiz oder der Türkei sind den Rechnungen keine Grenzen gesetzt.

5. Lohnt es sich, im Ausland eine eigene SIM-Karte fürs Surfen zu besorgen? Wenn Sie öfter ins Netz wollen, lohnt sich das in jedem Fall. Dann surfen Sie zu den Kosten der dortigen Provider oder Discounter, die deutlich niedriger sind als beim Roaming. 15 Euro für eine Flatrate mit 1 GB Datenvolumen sollten für Ihren Urlaub locker ausreichen. Teilweise müssen Sie beim Kauf eine Adresse im Urlaubsland angeben – doch hierfür reicht die Anschrift Ihres Hotels oder Campingplatzes.

6. Wie surfe ich ohne Kostenrisiko? Ganz wichtig – die bisher genannten Kosten gelten alle nur, wenn Sie mit Ihrem Handy übers meist flächendeckend vorhandene Mobilfunknetz ins Internet gehen, also via UMTS, das oft auch als 3G bezeichnet wird. Viel günstiger oder gar kostenlos surfen Sie, wenn Ihr Hotel oder ein Café am Urlaubsort ein drahtloses WLAN- oder WiFi-Netzwerk anbietet, wie Sie es von Ihrer Wohnung oder aus dem Büro kennen. Dort zahlen Sie eventuelle Nutzungsgebühren, auf Ihrem Handy sehen Sie das gewohnte WLAN-Zeichen – und bei Ihrem Provider zu Hause entstehen hierfür keinerlei Kosten, weil Sie dann zum Surfen das Mobilfunknetz gar nicht nutzen.

7. Drohen auch Kosten, wenn ich gar nicht surfe? Leider ja. Gerade moderne Smartphones wie iPhone oder Android-Handys bauen oft im Hintergrund Datenverbindungen auf, um Updates zu laden oder ihren Standort zu bestimmen – und Sie merken gar nichts davon. Zu Hause ist das kein Problem, im Ausland kann es teuer werden. Auch das Nutzen einer App zur GPS-Navigation im Ausland kann viel Geld kosten. Mit 3 MB Datenvolumen pro 100 Kilometer Fahrstrecke müssen Sie rechnen.

8. Kann ich das Daten-Roaming ausschalten? Ja, praktisch jedes Smartphone bietet diese Möglichkeit. Beim iPhone finden Sie diese Option unter Einstellungen => Allgemein => Netzwerk, bei Android-Handys unter Einstellungen => Drahtlos und Netzwerke => Mobile Netzwerke. WLAN-Verbindungen können Sie trotzdem nutzen – Sie laufen aber nicht Gefahr, dass das Handy von WLAN auf das teure UMTS umschaltet, ohne dass Sie es merken.

9. Was ist in Grenzregionen? Hier surfen Sie besonders gefährlich! Wenn Sie am Bodensee in der Nähe der Schweizer Grenze Urlaub machen, kann es schnell passieren, dass sich Ihr Handy ins Schweizer Netz einbucht – und damit enorme Roaming-Kosten auflaufen. Hiervor können Sie sich schützen, indem Sie Ihr Handynetz nicht automatisch suchen lassen, sondern in den Einstellungen manuell wählen.

10. Was, wenn ich nach dem Urlaub eine Horror-Rechnung bekomme? Petra von Rhein von der Münchner Verbraucherzentrale rät, der Forderung dann zu widersprechen. Gerade bei enormen Kosten fürs Daten-Roaming lassen sich die Mobilfunker oft auf eine Kulanzlösung ein. Nur: Rechtlichen Anspruch darauf haben Sie nicht!

tz

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