„Square Kilometre Array“

Kampf um Riesen-Teleskopanlage

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Foto: Afrika und Australien wollen die größte Teleskopanlage der Welt haben.

Sydney - Es wird die größte Teleskopanlage der Welt. Wo das „Square Kilometre Array" stehen wird, soll bald entschieden werden: Südafrika und acht andere afrikanische Staaten konkurrieren mit Australien und Neuseeland um das prestigeträchtige Milliarden-Projekt.

Alle beteuern, es gehe nur um die Wissenschaft. Doch das Ringen zwischen Südafrika und Australien um den künftigen Standort der größten Teleskopanlage der Welt, kurz SKA genannt, ist auch hochpolitisch. Das „Square Kilometre Array" soll 50-mal sensitiver und 10.000-mal schneller sein als die derzeit besten Teleskope, kündigen die Organisatoren an. Es soll fast bis zum Urknall zurück ins Universum blicken, Millionen Galaxien abbilden und Mysterien des Alls klären helfen, die jetzt noch unlösbar scheinen.

Die Australier schickten vor kurzem ihren Wissenschaftsminister nach Peking und Rom, um die Vorzüge „des politisch und wirtschaftlich sicheren Standorts" Australiens und seines Projektpartners Neuseeland zu preisen. Der Vize-Wissenschaftsminister Südafrikas, Derek Hanekom, reiste nach China, „um die bilaterale Zusammenarbeit in der Radioastronomie zu intensivieren", wie das Ministerium schrieb. China sehe den afrikanischen Standort besonders skeptisch, meinen europäische Diplomaten in Pretoria.

Südafrika und die acht afrikanischen SKA-Partnerstaaten Namibia, Kenia, Ghana, Sambia, Madagaskar, Mosambik, Mauritius und Botsuana fürchten, dass sich die Wissenschaftswelt aus politischem Misstrauen gegen Afrika entscheiden könnte. Eine Niederlage würde als „koloniale Arroganz" und „Misstrauen der Welt gegenüber Afrika" interpretiert, sagen Experten in Kapstadt. Vize-Minister Hanekom hat keine Illusionen: „Unser größtes Problem ist unser Image". Die Wissenschaftswelt traue Afrika trotz erstklassiger Universitäten wie der in Kapstadt und Johannesburg wenig zu.

Demnächst wollen die SKA-Mitgliedstaaten - darunter die Niederlande, Italien, Großbritannien und China - ihre Entscheidung über das 1,5 Milliarden-Euro-Projekt bekanntgeben. Genannt wurde der 4. April, bestätigen wollten die SKA-Organisation mit Hauptsitz im britischen Manchester dies aber nicht. Völlig gesichert ist das Projekt finanziell ohnehin noch nicht. Deutschland gehört offiziell noch nicht zu den 20 beteiligten Ländern, die USA hatten sich 2010 vom SKA-Projekt verabschiedet.

Das „Square Kilometre Array" soll unter anderem aus rund 3000 Einzelteleskopen mit je etwa 15 Metern Durchmesser bestehen. Geplanter Baubeginn ist 2016. Acht Jahre später soll die Anlage voll einsatzfähig sein und einen bisher ungeahnten Blick ins Universum ermöglichen, ferne Galaxien erkennen und erdähnliche Planeten aufstöbern.

Australien und Südafrika bieten sich als Kern-Standorte an, weil das SKA große Flächen mit guter Sicht und geringer Radiointerferenz - also sehr geringer Besiedlung - benötigt. Schon jetzt stehen in der Karoo-Halbwüste im Herzen Südafrikas sieben Satellitenschüsseln mit einem Durchmesser von jeweils 15 Metern. Selbst wenn SKA nicht in die menschenleere Karoo-Hochebene kommt, sollen hier 64 Schüsseln für ein Projekt namens „MeerKAT" entstehen. Südafrikas Regierung hat die Region zum „Astronomischen Schutzgebiet" erklärt.

Die Australier führen neben hervorragenden Bedingungen vor allem ihre lange Erfahrung mit Radioteleskopen ins Feld: So verfolgten bereits 1969 rund 600 Millionen Menschen weltweit die Mondlandung dank des „Parkes"-Teleskops 350 Kilometer westlich von Sydney im Fernsehen. „Australiens größte wissenschaftliche Stärke liegt im Bereich der Radioastronomie", sagte Michael Bryson, der die Bewerbung um den Standort im Wissenschaftsministerium betreut. „Hier kommen sowohl die Geografie als auch die technischen Aspekte bestens zusammen."

Die Australier verweisen zudem auf das stabile Wetter und eine ruhige Ionosphäre - was für die konstante Durchlässigkeit für Strahlen wichtig ist. Nicht zuletzt werben sie mit ihrer stabilen Sicherheitslage und guten Geschäftsbedingungen. Die australische Forschungsbehörde CSIRO baut mit Wissenschaftlern aus den Niederlanden, den USA und Kanada in Murchison bereits das Radioteleskop „ASKAP" mit 36 identischen Antennen von je zwölf Metern Durchmesser. Es soll nächstes Jahr fertig sein und wertvolle Erfahrungen für das SKA liefern.

Das Europäische Parlament sprach sich in einer schriftlichen Erklärung - generell und nicht speziell bei SKA - für eine größere Zusammenarbeit mit Afrika auf dem Feld der Radioastronomie aus. Das Gebiet habe enormes Wachstumspotenzial. „Die Bedeutung der Wissenschaft für das sozio-ökonomische Wachstum in Afrika wurde bereits in den Millenniums-Zielen anerkannt", schreibt der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments, Miguel Angel Martínez Martínez. Die "Schriftliche Erklärung 45" wurde an die EU-Kommission und die EU-Staaten weitergeleitet.

dpa

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