Studie widerlegt Eltern-Sorge

Kein früherer Sex durch Aufklärung

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Hamburg - Die Pubertät ihrer Kinder verursacht bei Eltern oft ein flaues Gefühl. Ab wann müssen sie mit ihnen über Sex reden? Fachleute meinen: so früh wie möglich. Dabei müssen Erwachsene aber nicht alles preisgeben oder ins Detail gehen.

Wenn es um das Sexleben von Jugendlichen geht, sind die Befürchtungen der Eltern oft groß. "Es gibt heute den weit verbreiteten Mythos, Jugendliche hätten immer früher Sex. Die vorliegenden Daten der letzten 30 Jahre bestätigen dies jedoch nicht", sagt Silja Matthiesen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, außerdem leitet sie die sexualpädagogische Abteilung von Pro Familia.

In dieser Hinsicht können sich Eltern entspannen - beim Thema Aufklärung sind sie aber in der Pflicht. "Aufklärung kann nicht früh genug beginnen", sagt Heike Kramer, Ärztin und Vorstandsmitglied der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF). Wenn die Hormone loslegen und die Jugendlichen von ihren Gefühlen überrollt werden, brauchen sie ein gutes Polster von Informationen, auf das sie zurückgreifen können. An dieser Stelle kommen die Eltern in Spiel, betont Kramer. Schon wie die Eltern miteinander und mit dem Kind von Geburt an umgehen, sei prägend für die Entwicklung von Sexualität. Dazu gehöre, Fragen, die Kinder stellen, in einer altersgerechten Sprache, aber mit den richtigen Begriffen zu beantworten - ohne dabei über das Gefragte hinauszugehen und gleich alles erklären zu wollen. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei sei, die Schamgrenzen des Kindes zu respektieren und die eigenen Schamgrenzen zu schützen.

Weder müssen Eltern intime Details von sich preisgeben, noch ihre Kinder dazu drängen, intime Themen mit den Eltern zu besprechen. "Wenn Kinder von sich aus nicht fragen, kann man auch ein Buch zu Hause liegen haben", sagt Kramer. Kinder sollten das Gefühl haben, dass ihre Eltern gesprächsbereit sind. Für Mädchen ist es gut zu wissen, dass sie sich mit Fragen zur Verhütung an eine Frauenärztin wenden können, mit oder ohne die Mutter, und hierfür auch das Vertrauen der Eltern haben. In der Praxis gehen die Vorstellungen von Eltern und Kindern jedoch häufig auseinander. "Wir erleben immer wieder, dass Eltern eine frühe Verhütung nicht gutheißen und befürchten, dass die Jugendlichen dann früher Geschlechtsverkehr haben", sagt die Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland, Patricia G. Oppelt.

Einen Grund gibt es für diese Befürchtung allerdings nicht:Jugendliche seien mit einer sicheren Verhütung wie der Pille einfach besser vor Teenagerschwangerschaften geschützt. Dennoch sei das Risiko, schwanger zu werden, beim ersten Mal grundsätzlich deutlich erhöht. "Und zwar bei jedem ersten Mal mit einem neuen Partner", erklärt Matthiesen. Denn gerade dann sind viele über das Ereignis überrascht, mit der Verhütung noch ungeübt oder haben noch nicht gemeinsam über das Thema gesprochen. "Verhütung zu lernen, das ist ein Prozess ? und da passieren auch Pannen", sagt die Sexualforscherin. Wichtig sei, in einem solchen Fall eine Strategie zur Hand zu haben. Auch an dieser Stelle sind Mutter und Vater wichtig.Wenn mal etwas schiefgehe, sollten Jugendliche wissen, dass sie von den Eltern nicht den Kopf abgerissen bekommen.

dpa

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