Scharfe Kritik

Keine Diskussion über umstrittenen Staudamm Xayaburi

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Umweltaktivisten aus Thailand und Betroffene protestieren auf dem Mekong in Nong Khai, Thailand, gegen den Bau des Xayaburi-Staudamm in Laos.

Bangkok - Staudämme betreffen Millionen Menschen flussabwärts. Die Mekong-Länder wollen Bauprojekte eigentlich im Konsens genehmigen. Laos hat beim Xayaburi-Damm aber einfach losgelegt. KeinBedarf für weitere Diskussionen, sagt die Regierung. Umweltschützer sind empört.

Unter dem Protest von Umweltschützern hat das Ministertreffen der Mekong-Anrainerstaaten in Laos begonnen. Weil das umstrittene Xayaburi-Staudammprojekt in dem asiatischen Land am Mittwoch nicht auf die Tagesordnung kam, kritisierten Naturschützer die Regierungen scharf. „Schweigen wird die Probleme, die durch den zerstörerischen Staudamm entstehen, nicht lösen“, sagte Niwat Roykaew von der thailändischen Umweltgruppe Chiang Khong Conservation Group. „Laos weigert sich, mit seinen Nachbarn zu kooperieren“, kritisierte Pianporn Deetes von der Organisation „International Rivers“.

„Es gibt keinen Bedarf (zur Diskussion) mehr“, sagte lapidar der stellvertretende Energieminister der kommunistischen Regierung, Viraphonh Viravong, vor dem Start des zweitägigen Treffens in Luang Prabang. Der laotische Umweltaktivist Sombath Somphone, der sich mehrfach gegen das Projekt ausgesprochen hatte, ist seit dem 15. Dezember verschwunden. Er geriet in eine Straßensperre der Polizei, wie Bilder einer Überwachungskamera zeigten.

Ungeachtet der Bedenken von Kambodscha und Vietnam hat Laos im November 2012 mit dem Bau des ersten Staudamms am unteren Mekong begonnen. Die Staumauer soll 820 Meter lang und mehr als 30 Meter hoch werden, das Reservoir bis zu 90 Kilometer lang.

Die Leistung des 3,8-Milliarden-Dollar-Projekts soll 1285 Megawatt betragen. Das laotisch-thailändische Baukonsortium hat das Design mehrfach geändert, um die Fischmigration und den Abfluss von nahrhaften Sedimenten, die bei Überschwemmungen Felder düngen, zu erleichtern. Zehn weitere Dämme sind am unteren Mekong geplant.

In der Mekong-River-Kommission haben sich die vier Anrainer - neben Laos sind dies Kambodscha, Vietnam und Thailand - vor solchen Bauvorhaben zu Konsultationen und Konsens verpflichtet. Kein Mitglied ist aber rechtlich auf die Zustimmung der anderen zu Bauvorhaben angewiesen. Thailands Regierung hält sich mit Kritik zurück: Der in dem neuen Kraftwerk produzierte Strom soll überwiegend nach Thailand verkauft werden. Vietnam und Kambodscha wollen weitere Umweltstudien.

Am unteren Mekong leben 40 Millionen Menschen in einem 15- Kilometer-Korridor auf beiden Seiten des Flusses. Für zwei Millionen könnte das Überleben schwer werden, wenn sie weniger fischen und ihre Felder nicht mehr gedüngt werden, sagen Umweltschützer.

dpa

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