Rekordwärme an Weihnachten

Klimawandel: Schneekanonen schaffen keine Abhilfe

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Foto: Kein Schnee, kein Ski: In München am Olympiaberg verdecken weiße Folien den verbliebenen Schnee der Ski-Rennstrecke.

München - Von Schnee weit und breit keine Spur: Skifahrer müssen derzeit hoch hinaus. Bei dem warmen Wetter helfen auch Schneekanonen nichts mehr. Naturschützer fordern ein langfristiges Konzept in den Alpen, das den Klimawandel mehr beachtet.

Rekordwärme an Weihnachten, Minustemperaturen nicht einmal in der Nacht – der Schnee macht sich seit Tagen rar in den Bergen. Und eine Änderung ist nicht in Sicht. Skifahrer müssen derzeit hoch hinaus, um ihrem Sport nachgehen zu können. Bei der warmen Witterung bringen auch die Schneekanonen keine Abhilfe, sie stehen still. Naturschützer sprechen von einer Fehlinvestition. Der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner, fordert ein touristisches Gesamtkonzept für die Alpen und die Mittelgebirge, das die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport berücksichtigt.

Naturschützer haben wiederholt darauf hingewiesen, dass Beschneiungsanlagen wegen des Klimawandels nicht dauerhaft eingesetzt werden können. Sehen Sie sich nach den Wetterkapriolen der vergangenen Tage bestätigt?

Mergner: Ökologisch wie ökonomisch ist die Aufrüstung der bayerischen Skigebiete ob in den Alpen oder in den Mittelgebirgen eine Fehlinvestition. Schneekanonen und künstlicher Schnee können den Klimawandel, der sich auch bei uns mit wärmeren Wintern bemerkbar macht, nicht übertünchen. Wir haben seit Jahren davor gewarnt, dass sich die Wintersportorte ein Wettrüsten liefern, bei dem die Schönheit der Berge für die kurzfristige Rendite der Skiliftbetreiber auf der Strecke bleibt.

Für Beschneiungsanlagen müssen teils große Wasserspeicher angelegt werden. Für wie gravierend halten Sie die Eingriffe in die Natur?

Mergner: Wer im Sommer an den künstlichen Teichen vorbeikommt, die mit Planierraupen und viel Beton in die Berge gebaut werden, bekommt das Grausen. Für die Natur sind das tote Staubecken. Am Sudelfeld im Bereich der Landkreise Rosenheim und Miesbach soll der Stausee sogar in einem Landschaftsschutzgebiet mit Dammhöhen bis zu 38 Meter auf hochwertigen Almflächen gebaut werden. Dazu muss ein Wasserleitungsnetz verlegt und in Gräben mit den Schneekanonen verbunden werden. Der sensible Wasserhaushalt in den Berggebieten wird zerstört und auch eine Menge Strom verschwendet, was den Klimawandel zusätzlich anheizt.

Was schlägt der Bund Naturschutz vor, um den Wintersportlern die Freude am Skifahren nicht zu verderben?

Mergner: Wer nicht in einer Kunstwelt leben und den Klimawandel nicht noch weiter anheizen will, sollte Freude am Skifahren und Wintersport nur bei natürlichem Schnee suchen. Den gibt es halt dann nur in Lagen über 1800 Meter. Wir fordern auch ein touristisches Gesamtkonzept für die bayerischen Alpen und die Mittelgebirge, das die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport berücksichtigt und neue Konzepte für den Wintertourismus erarbeitet statt nur auf das Skifahren im Kunstschnee zu setzen. Auch im Interesse der Gemeinden ist es ehrlicher, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und angesichts leerer Kassen keine weiteren Steuergelder in Schneekanonen zu verpulvern. Wer sein Geld jetzt noch in Schneekanonen vergräbt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er trotzdem im Grünen sitzt und gegenüber anderen Kommunen mit schneeunabhängigen Konzepten das Nachsehen hat.

dpa

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