Internationaler Fachkongress

Konferenz der Schlafmäuse

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Foto: Nagetiere international: In Ostritz versammeln sich ab Donnerstag 120 Schlafmausforscher.

Görlitz - Haselmaus und Siebenschläfer führen ein heimliches Leben. Wenn sie nicht gerade ruhen, gehen sie nur nachts auf Tour. Seit 20 Jahren stehen Schlafmäuse verstärkt im Fokus der Forschung. In Sachsen wird den kleinen Tieren nun ein Fachkongress gewidmet.

Schlafmäuse halten sich im Verborgenen auf, sind meist im Dunkeln aktiv und tauchen für die längste Zeit des Jahres völlig ab. Auf solch unauffällige Gesellen richtet sich die Aufmerksamkeit bei einem Fachkongress in Ostsachsen. Etwa 120 Schlafmausforscher aus 24 Ländern versammeln sich dazu ab Donnerstag in Ostritz. Da die Nager in vielen Ländern bedroht sind, rücken sie nun stärker in den Fokus der Forscher.

Weltweit gibt es rund 20 Arten von Schläfern, wie diese Gruppe der Nagetiere genannt wird. Vier davon leben in Mitteleuropa, wie Schlafmaus-Forscher Sven Büchner sagt. Der Biologe hat über die etwa daumengroßen Tiere seine Diplomarbeit geschrieben und arbeitet für das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz, das die Tagung im Kloster St. Marienthal ausrichtet.

In der Welt der Schlafmäuse gibt es für Wissenschaftler noch größeren Forschungsbedarf: Unklar sei etwa, warum der Gartenschläfer in manchen Regionen völlig ausgestorben sei, sagt Büchner. Im Zittauer Gebirge im Südosten Sachsens gilt die Tierart zum Beispiel seit 1920 als verschollen. „Wir haben intensiv danach gesucht“, sagt der Biologe. Krankheiten, Inzucht oder weniger Insekten könnten die Ursachen für das Verschwinden der Gartenschläfer sein. Auch in Tschechien seien sie vom Aussterben bedroht. In Deutschland sind Gartenschläfer Büchner zufolge fast nur noch westlich des Rheins zu finden.

Recht weit verbreitet ist derzeit noch die Haselmaus. Eine Auswertung Tausender gesammelter Haselnuss-Schalen auf Fraßspuren ergab danach allerdings, dass auch diese Tierart in Bedrängnis gerät, wie Büchner berichtet. „Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt.“

Eine Erklärung für den Rückgang könnte Büchner zufolge die Konkurrenz der Siebenschläfer sein, die auf dem Vormarsch seien. Ein Grund dafür ist, dass der Anteil von Laubmischwäldern zunimmt, wo Siebenschläfer Eicheln und Bucheckern finden. In den Bäumen beziehen sie Astlöcher und Spechthöhlen. Zum Winterschlaf kommen sie auf den Boden und graben sich etwa anderthalb Meter tief ein. Nahezu acht Monate schlafen sie, bevor sie im Mai wieder hervorkriechen.

„Das Phänomen Winterschlaf ist nur ansatzweise verstanden“, sagt Büchner. Die Forscher wissen zwar, dass Schläfer ihren Stoffwechsel drosseln, die Körpertemperatur bis auf etwa 0,5 Grad Celsius herunterfahren und mitunter nur alle elf Minuten atmen. „Wie sie es hinkriegen, im Frühling wieder aufzuwachen, ist uns gänzlich unklar.“ Wenn sich die Prozesse besser durchschauen ließen, könnten manche Erkenntnisse vielleicht für die Medizin nützlich sein, sagt Büchner. Auch darum soll es bis zum 27. September auf dem Kongress in St. Marienthal gehen.

dpa

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