Meeresspiegelanstieg

Küstenschutz kostet hunderte Millionen Euro

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Angesichts der neuen Prognosen über steigende Meeresspiegel will Niedersachsen mehr für den Küstenschutz tun.

Husum/Hannover - Noch halten die deutschen Deiche. Doch Wissenschaftler schlagen Alarm: Der Meeresspiegel könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 1,40 Meter ansteigen. Der Schutz der Küsten hat seinen Preis: Die Investitionen verschlingen mehrere hundert Millionen Euro.

Deutschlands Küsten sind winterfest. Die Deiche an Nord- und Ostsee können den Winterstürmen und Sturmfluten trotzen - der „Blanke Hans“ wird in diesem Winter wohl draußenbleiben. „In der Regel waren die Deiche in den vergangenen Jahren in einem guten bis sehr guten Zustand“, sagte der Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, Johannes Oelerich. Damit das auch künftig so bleibt, werden im Land derzeit einige alte Deiche durch Superdeiche ersetzt. Und auch Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern rüsten sich gegen die Gefahr aus dem Meer.

Hintergrund ist der Anstieg des Meeresspiegels. Der betrug in den letzten hundert Jahren um die 20 Zentimeter, wissen die Küstenschützer aus den Aufzeichnungen alter Pegelstände. Der Klimawandel jedoch macht den Experten die Prognose für die kommenden hundert Jahre schwer. Während die Mehrheit der Wissenschaftler heute von 20 bis 60 Zentimeter Meeresspiegelanstieg spricht, halten einige sogar einen Anstieg von 1,40 Meter bis zum Jahr 2100 für möglich.

Schleswig-Holsteins Deichschützer haben sich für einen „Klima-Zuschlag“ von 50 Zentimetern entschieden. Dieser gilt einheitlich für alle Landesschutzdeiche an Nord- und Ostsee sowie an der Tideelbe. Insgesamt müssen in Schleswig-Holstein noch 93 Kilometer Deichabschnitte verstärkt werden, wie im Generalplan Küstenschutz 2012 festgelegt ist. Die modernen Superdeiche sind flache Erdwälle mit einer fünf Meter breiten Deichkrone an der Spitze. An der Seeseite hat der Deich eine Neigung von 1:10 - das heißt, auf zehn Meter Länge verteilt sich ein Meter Höhenunterschied.

Kiel hat in diesem Jahr insgesamt rund 66,8 Millionen Euro für den Küstenschutz eingeplant. Als große Maßnahmen standen neben den Deichverstärkungen in Büsum sowie auf Nordstrand und Sylt die regelmäßigen Sandaufspülungen vor Sylt an.

Auch die anderen Nordländer machen beim Schutz vor Sturmfluten mobil. Mecklenburg-Vorpommern investiert nach Angaben des Umweltministeriums jährlich etwa 18,5 Millionen Euro, um die insgesamt 2000 Kilometer lange Küste zu erhalten und zu verstärken. Seit 1990 flossen 350 Millionen Euro in Uferbauten. Diese schützen 180.000 Küstenbewohner und rund zwei Milliarden Euro Vermögenswerte auf 1080 Quadratkilometern überflutungsgefährdeter Flächen.

Noch gebe es erheblichen Handlungsbedarf, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD). Mehr als 1000 Kilometer Küstenlinie gelten als potenziell überflutungsgefährdet. Bis 2020 seien Schutzmaßnahmen von insgesamt 120 Millionen Euro geplant, hieß es. Etwa 16 Millionen sind für den Sturmflutschutz in Warnemünde und Rostock vorgesehen, 13,8 Millionen für die Ringeindeichung von Prerow auf dem Darß, 12 Millionen für die Insel Ummanz bei Rügen und 13 Millionen Euro für den Sturmflutschutz von Nordusedom.

Angesichts der neuen Prognosen über steigende Meeresspiegel will Niedersachsen die Vorsorge für den Küstenschutz und den Deichbau noch intensiver betreiben, teilte Landes-Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mit. Er hält die Deiche zwar für sicher. Dennoch müssen nach früheren Angaben noch rund 200 Küstenschutzprojekte realisiert werden, um für die Zukunft gerüstet zu sein. In Niedersachsen seien die Schutzprojekte weitgehend im Plan, hieß es vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Für 2013 waren dafür 72 Millionen Euro vorgesehen. Allein 12 Millionen Euro sollten für den Schutz der vorgelagerten ostfriesischen Inseln verbaut werden. Knapp 50 Millionen Euro waren den Hauptdeichverbänden mit Schwerpunkten am Jadebusen und an der Unterweser zugedacht.

dpa

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