„Roms vergessener Feldzug"

Landesausstellung 2013 zeigt römische Armee in Aktion

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Die Landesausstellung 2013 zeigt erstmals Originalfunde von dem 2008 zufällig im Kreis Northeim entdecktem Schlachtfeld.

Braunschweig - Mit Originalfunden, Leihgaben aus acht Ländern und moderner Technik will das Braunschweigische Landesmuseum die Geschichte der römisch-germanischen Beziehungen im 3. Jahrhundert erzählen – und verspricht den Besuchern einige Überraschungen.

Selbst ausgewiesene Kenner der römisch-germanischen Beziehungen müssen es zugeben - durch die archäologischen Funde am Harzhorn bei Northeim muss ein Stück Geschichte neu geschrieben werden. Das durch Zufall im Jahr 2008 am Harzrand entdeckte Schlachtfeld beweist, dass auch gut 2000 Jahre nach der berühmten Varus-Schlacht im Teutoburger Wald noch ein riesiges römisches Heer weit nach Germanien vordrang. Eine wissenschaftliche Sensation, die im Braunschweigischen Landesmuseum mit der Ausstellung „Roms vergessener Feldzug - Germaniens verlorene Schlacht am Harzhorn“ im Herbst gewürdigt werden soll.

Es wird eine der großen Landesausstellungen, die das Land seit 1979 in unregelmäßigen Abständen zu besonderen Anlässen finanziert. Erstmals sollen die Originalfunde öffentlich gezeigt werden. Doch das ist nicht alles: „Wir werden zudem mehr als 60 Leihgaben aus acht europäischen Ländern präsentieren“, kündigt Museumsdirektorin Heike Pöppelmann an. 600 bis 800 Exponate sollen insgesamt gezeigt werden. Die Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro tragen vor allem das Land und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

Neben der Schlacht wollen die Ausstellungsmacher auch das Alltagsleben der römischen und germanischen Soldaten beleuchten. Die Voraussetzungen dafür scheinen gut zu sein: „Es ist wie ein Stück eingefrorene Geschichte“, beschrieb Bezirksarchäologe Michael Geschwinde die Grabungsstelle. Um auch den Besuchern die Zeit um 230 n. Chr. anschaulich näher zu bringen, will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Landschaft am Harzhorn dreidimensional nachbauen. Das Modell soll dann als Leinwand dienen und die Besucher quasi aus der Perspektive eines römischen Soldaten auf einem Pferdewagen mit in die Schlacht nehmen.

Historikerin Pöppelmann ist schon jetzt von den Römern begeistert: „Das muss man sich mal vorstellen, da sind 10 000 oder mehr römische Soldaten durch Germanien gezogen, da gab es keine Straßen und keine Städte“, macht sie im Vorfeld neugierig. Wie war die Armee ausgerüstet und wie organisiert? Wie wurde die Ernährung sichergestellt? Auch die Frage, was eigentlich zu dem Jahrhunderte andauernden Konflikt zwischen Römern und Germanen führte, soll beantwortet werden.

Die alten Germanen kommen ebenfalls gut dabei weg. „Das Bild von den wilden, germanischen Horden muss korrigiert werden“, sagt Pöppelmann. Kein einfaches Unterfangen, gibt es doch bekanntlich keine Schriftquellen von den Germanen. Für die Schlacht am Harzhorn seien Truppen zwischen der Aller und der Elbe, von Thüringen bis zur Altmark zusammengezogen worden, das erfordere einen hohen Grad an Organisation. Auch seien die Germanen sehr gut ausgerüstet gewesen - viele von ihnen ausgerechnet mit importierten römischen Schwertern.

„Die Ausstellung ist eine enorme Herausforderung. Da ist aber auch die Freude, eine gute Geschichte erzählen zu können und die große Resonanz - da weiß man, warum man das macht“, versichert Museumsdirektorin Pöppelmann.

dpa

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