Wasserfunde auf dem Mars

"Leben würde anders aussehen als auf der Erde"

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Foto: Die Wasserfunde bedeuten nicht, dass eine Mission zum Roten Planeten einfacher wird, sagte Prof. Klaus Schilling.

- Auf dem Mars gibt es wahrscheinlich flüssiges Wasser, und die Fachwelt jubelt. Aber was bedeutet das eigentlich? Was für ein Leben könnte dort möglich sein? Ein Interview mit Weltraumexperte Prof. Klaus Schilling.

Herr Schilling, welche Bedeutung hat die Entdeckung von Wasser auf dem Mars?

Wasser ist die Grundvoraussetzung, dass sich Spuren von Leben, in welcher Form auch immer, entwickeln können. Mit der Entdeckung von Wasser ist der Nasa ein wichtiger Schritt gelungen.

Ist damit Leben auf dem Mars möglich?

In welcher Form auch immer, ja. Es ist schon länger bekannt, dass es Eis auf dem Mars gibt. Daraus kann gar nichts entstehen. Es ist also die Frage, in welcher Form das Wasser vorliegt, damit sich weitere Reaktionen anschließen können.

Welche Atmosphäre herrscht auf dem Roten Planeten?

Es herrschen sehr extreme Temperaturen, nachts bis minus 80 Grad. Der Mars hat auch nicht so eine stark schützende Atmosphäre wie die Erde. Die Schutzschicht fängt dort knapp über der Oberfläche an und reicht nicht sehr hoch. Es fehlt die aktive Atmosphäre, bei der das Wasser etwa Wolkenbildung und Regen verursacht. Auf dem Mars gibt es nur Sandstürme. Alles, was dort entsteht, muss also zwangsläufig ganz anders ausschauen als das, was wir von der Erde kennen.

Wann wird es Reisen zum Mars geben?

Da ist noch sehr viel zu machen. Die Astronauten würden nach heutigem Wissen alleine die Strahlung über so eine lange Transferperiode nicht aushalten. Die Astronauten auf der Raumstation ISS sind durch die Magnetfelder der Erde gut abgeschirmt. Beim interplanetaren Flug zum Mars fehlt diese Abschirmung. Im Vergleich zu einem Marstransfer dauert der Flug zum Mond nur eine kurze Zeit, etwa eine Woche. Zum Mars dauert er mehrere Monate.

Das einzige Problem?

Nein. Wie sollen die Leute wieder zurück? Nur ein One-Way-Ticket zu lösen, ist ja nicht wirklich seriös. Es muss eine Infrastruktur auf den Weg gebracht werden, um ständig Nachschub zu liefern.

Bei der Rosetta-Mission waren Sie verantwortlich dafür, eine kleine Sonde auf einem Kometen zu landen. Wie ist das mit der Marsmission zu vergleichen?

Eine Sonde auf den Mars zu schicken ist einfacher als auf einem Kometen zu landen. Was beide Missionen eint: Beide Male braucht man einen hohen Grad an Anpassungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Rückfallpositionen, wenn Überraschendes passiert. Und das passiert. Garantiert.

Interview: Carsten Bergmann

Prof. Klaus Schilling von der Universität war federführend bei der Rosetta-Mission: der Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri.

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