Studie

Lebensmittel-Verschwendung schädigt Klima

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Foto: "Im Schnitt werfen wir jede Sekunde 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel weg", sagte Referentin Tanja Dräger de Teran.

Berlin - Übrig gebliebenes Brot beimBäcker oder Reste vom Buffet im Hotel: Das ist beimLebensmittelabfall in Deutschland nur die Spitze des Eisbergs, wie eineStudie des WWF zeigt.

DieUmweltstiftung WWF hat vor den Folgen der Lebensmittel-Verschwendung für das Klima gewarnt. Jedes Jahr landen in Deutschland 18 Millionen Tonnen an Nahrung imMüll, wie WWF-Experten in einer neuenStudie schätzen. "Im Schnitt werfen wir jede Sekunde 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel weg", sagte Referentin Tanja Dräger de Teran am Donnerstag in Berlin. Die Menge entspreche fast einemDrittel des deutschen Nahrungsmittelverbrauchs.

In der Studie "Das große Wegschmeißen" wurden mehrerevorhandene Untersuchungen zusammengeführt. Beleuchtet wird die Menge derVerluste während der gesamtenKette vomAcker bis hin zum Verbraucher. Während Lebensmittel in ärmeren Ländern bereits bei der Ernte, bei Transport undLagerung verloren gingen, sei das bei reichen Ländern eher am Ende der Kette derFall, beobachten die Autoren. Knapp 40 Prozent des Mülls falle in Deutschland in Privathaushalten an, hinzu kämen unter anderem Verluste bei der Produktion sowie in der Gastronomie.

Würden Landwirtschaft,Handel und Verbraucher gemeinsam Abfälle vermeiden, ergebe sich ein "signifikanter Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz", sagte Träger de Teran.Denn etwa Treibhausgasemissionen durch Düngung, Transport und Kühlung fielen für die weggeworfenen Lebensmittel vergeblich an. Der verschwendete "riesige Essensberg" befeuere damit denKlimawandel.

Gerade bei Kleinverbrauchern gelten viele Abfälle laut WWF als vermeidbar, vor allem bei Brot sowie Obst und Gemüse: "Bewusst einkaufen, frisch kochen und richtig lagern – so wirft man weniger weg", empfiehlt Fernsehkoch ChristianRach imVorwort zur Studie.

Aus der Politik kämen bisher lediglich "vollmundige Ankündigungen", es fehle an einer nationalen Strategie mit Zielen und Arbeitsschritten, bemängelte Expertin Dräger deTeran. Die Bundesregierung habe zwar erklärt, die Abfälle bis 2020 um die Hälfte reduzieren zu wollen. Allerdings gebe es zu demThema selten valide Daten, was die Überprüfung erschwere. Die WWF-Experten selbst zogen Infos aus mit Deutschland vergleichbarenNationen heran, wenn für das eigene Land keine Daten verfügbar waren, erläuterte ein Sprecher.

Schon 2011 ging etwa der Film "Taste the waste" den Müllbergen ausLebensmitteln auf die Spur.Seitdem haben sich einige Initiativen gebildet: Auf Internetplattformen wie "Foodsharing.de" geben Nutzer übrig gebliebene Nahrungsmittel gratis ab. Öffentlich zugängliche Kühlschränke sieht die Freiwilligen-Initiative VoluNation im Kommen: Diese teilte mit, im deutschsprachigen Raum seien mehr als 7500 freiwillige "Essensretter" im Einsatz, die bisher rund 200 Schränke mit nicht mehr verkäuflichenProdukten aus dem Handel füllten.

dpa

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