„Aerographit“

Leichtestes Material der Welt entwickelt

+
Foto: Das leichteste Metall der Welt könnte Akkus langlebiger machen: Aerographit.

Kiel/Hamburg - Mit einer Pinzette wird es angefasst, und ein Luftzug kann riskant sein: „Aerographit“ ist das leichteste Material der Welt. Es könnte Akkus langlebiger machen.

Eine Feder ist ein schwerer Brocken verglichen mit dem neuen Leichtgewichts-Weltrekordler: Eine extrem geringe Dichte von 0,2 Milligramm je Kubikzentimeter hat das leichteste Material der Welt, das Wissenschaftler aus Kiel und Hamburg entwickelt haben. Über das „Aerographit“ berichten sie im Fachmagazin „Advanced Materials“.

Es handelt sich um ein Netzwerk aus porösen Kohlenstoffröhrchen, die dreidimensional auf Nano- und Mikroebene ineinander verwachsen sind. „Es wiegt fast nichts“, sagte Prof. Rainer Adelung von der Technischen Fakultät der Kieler Universität. „Es ist auch leitfähig und lässt sich leicht zusammendrücken.“

Für das ultraleichte Material mit seiner großen Oberfläche gebe es viele mögliche Anwendungsfelder, sagte Prof. Karl Schulte von der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Das Aerographit könne etwa für die Elektronikbranche interessant sein. So könnten Akkus und Batterien länger halten, eine größere Kapazität haben und leichter werden - ein Vorteil für die E-Mobilität.

Bei Kunststoffen lasse sich eine höhere Bruchfestigkeit erreichen, und für den Leichtbau könnten Kunststoffe elektrisch leitfähig gemacht werden. Damit lasse sich verhindern, dass Funken überspringen, wenn man elektrisch aufgeladen ist - etwa wenn man sich ins Auto setzt. Auch bei Untersuchungen zur Lichtabsorption könnten Forscher von dem Material profitieren: Weil es sehr gut Licht absorbiert, könnte es für sogenannte Vergleichsstandards genutzt werden. Etwa zur Frage: Welches Licht erzeugt eine Lampe?

„Es geht nicht um die Wäscheklammer, sondern um kompliziertere Strukturen - Tausende, Zehntausende von Produkten, die man als Verbraucher oft gar nicht sieht“, erklärte Schulte. Das Zusammenspiel der mechanischen, physikalischen und optischen Eigenschaften müsse untersucht werden: „Das sind Fragen der Zukunft.“

Aerographit ist zwar ultraleicht, aber stabil. „Es zerfällt nicht, man kann es in die Hand nehmen“, betonte Schulte. Die Forscher fassen das Material - eine Art Nanoschaumstruktur - mit einer Pinzette an, gelagert wird es in Plexiglas. Aufpassen muss man nur, dass es bei einem Luftzug nicht wegweht.

Wie lange wird Aerographit wohl noch das leichteste Material der Welt bleiben? „Einige Zeit“, vermutet Schulte. Danach werde es möglicherweise „marginale Veränderungen“ geben.

dpa

Kommentare