Drachenbauen leicht gemacht

Leinen los!

+
Foto: Wenn der Wind kräftig pustet, zieht es vor allem Kinder hinaus.

Hannover - Herbstzeit ist Drachenzeit:
 Wenn der Wind kräftig pustet, zieht es vor allem Kinder hinaus. Wir zeigen Ihnen, wie auch Sie
 dem Himmel näher kommen.

Kaum fallen bunte Blätter von den Bäumen, steigen bunte Figuren an den Himmel. Dabei sind Drachen, Draußensein und Nase im Wind keine Frage des Herbstes. Drachenfliegen hat das ganze Jahr über Saison – und ist längst nicht nur Kindersache. Einen Drachen steigen zu lassen, verbindet Generationen als besonderes Freizeiterlebnis.

Der Markt hält so viele Drachentypen bereit, dass jedes Alter fündig wird. Da sind die klassischen Einleiner für Kinder wie „Eddy“ oder „Delta“ (Raute und Dreieck), Schlitten- oder Schlangendrachen. Sie gibt es in unzähligen Farben und Formen. Beliebt sind auch Taschendrachen, die dank Luftpolsterröhren schon bei wenig Wind abheben. Interessant sind sie deshalb, weil sie nie Ersatzstäbe benötigen. „Bei Stangen ist doch das Problem: Nach einem Absturz sind sie kaputt – und der Tag ist gelaufen. Manchmal sogar der Urlaub“, sagt Michael Kern vom Drachenclub Hannover.

Er empfiehlt deshalb Lenkmatten. Allerdings keine aus dem Supermarkt, sondern aus dem Fachhandel; „ab 20 Euro aufwärts, davon haben die Kinder wirklich etwas“, sagt Kern. Lenkmatten sorgen für Abwechslung am Himmel, weil sie mit Leinen gesteuert viele Figuren fliegen können. „Da erlischt das Kinderinteresse nicht so schnell wie bei stillstehenden Einleinern“, sagt Kern. Vorteil der Lenkmatten ist, dass sie jederzeit ohne Aufbau einsatzbereit sind. Allerdings erfordern sie ein ordentliches Zupacken – je größer die Spannweite, desto kräftiger sollte der Halter sein.

Ohnehin sollten Kinder nur mit einem Erwachsenen einen Drachen steigen lassen. „Mit Unterstützung können aber schon Sechsjährige einen Lenkdrachen fliegen“, sagt Rudolf Schwenger, Geschäftsführer des Spielwarenladens „Fridolin’s“ in Hannover. Er empfiehlt mit einer 1,30-Meter-Spannweite zu beginnen.

Grundsätzlich gilt: Gute Drachen benötigen wenig Wind. Und wenn es zu sehr reißt und rüttelt – loslassen! „Sobald es schmerzt, sollte man seinen Körper schützen“, sagt Schwenger. Und Peter Koss vom Drachenclub erklärt: „Ohne Gegendruck segelt der Drachen sanft zu Boden.“ Wer indes mit Wind und Schnur kämpft, riskiere einen krachenden Absturz, was nicht nur bei selbstgebastelten Drachen schade wäre. Koss muss es wissen: Er hat etwa 40 Drachen im Keller. Sie tragen so klangvolle Namen wie Rokkaku, Genki und Sode Dako – und sind gelegentlich auf dem Kronsberg zu sehen.

So wird es gemacht: Der HAZ-Schlittendrachen

1. Das wird benötigt: • fester Müllsack • Pappe (1x0,7 m, Dicke 1 mm) • faserverstärktes Klebeband • zwei Rundholzleisten (Länge 1 m, Dicke 4 mm – erhältlich im Baumarkt) • Waageschnur (Länge 1,50 m) • Nylonschnüre auf Rolle (mind. 30 m) • Hilfsmittel: Bastelschere, Lochzange/Locher, Edding/wasserfester Stift, Maßband, kleine Säge • Zeit: Ein Profi wie Peter Koss vom Drachenclub Hannover benötigt etwa eine halbe Stunde, Anfänger sollten mit mindestens der doppelten Zeit rechnen.

2. Schritt: Die Schablone Symmetrie ist das oberste Gebot – „je präziser Sie arbeiten, desto besser fliegt der Drachen“, sagt Koss. Am besten fertigt man deshalb eine halbe Schablone und zeichnet sie später auf einen doppelt gelegten Müllsack, dann ist die Symmetrie auf jeden Fall gegeben. Unser Drachen wird 50 Zentimeter hoch und 55 Zentimeter breit; die Löcher in der Mitte messen oben 11,5 und unten acht Zentimeter. Zeichnen Sie das Schnittmuster mithilfe des Bauplans und eines Maßbandes auf die Pappe und schneiden diese anschließend mit einer Schere aus. „Für die Fenster eignet sich ein Cuttermesser besser“, sagt Koss.

3. Schritt: Das Übertragen Legen Sie die halbe Schablone auf den Rand des doppelt gefalteten Müllsacks und malen mit Edding das Schnittmuster auf. Schneiden Sie dann auch die Folie sorgfältig aus; bitte nicht das Loch in der Mitte vergessen, auch das funktioniert mit Messer besser als mit Schere. Anschließend klappen Sie die Folie auseinander – und haben einen ganzen Drachen vor sich liegen.

4. Schritt: Die Stäbe Legen Sie die Holzleisten auf – an die Längstseiten vor den Flügeln. Markieren Sie die Länge und schneiden die Stäbe mit der Säge zurecht, eine starke Schere tut’s auch. Mit Klebeband (etwa 3x3 mm) werden die Stäbe oben und unten fixiert, indem das Band auf beiden Seiten der Folie festgeklebt und umgeklappt wird. Überstehendes abschneiden. „Das sieht nicht nur besser aus, es ist auch besser für die Stabilität“, sagt Koss. Auch an den beiden Löchern sollten die Stäbe ebenfalls fixiert werden, damit es in der Drachenmitte wenig flattert.

5. Schritt: Die Schnüre Zunächst verstärken Sie die Flügelecken beidseitig mit Klebeband, überstehendes abschneiden. Mit der Lochzange an jeder Flügelecke ein etwa vier Millimeter breites Loch einrichten. Danach die Waageschnur rechts und links an die Fügellöcher knoten. Nun lässt sich der Drachen an der Schnur hochziehen – und exakt die Mitte der Schnur ermitteln. Das ist wichtig für die Flugstabilität. In der Mitte machen Sie einen Knoten mit Öse, an die später die Nylonschnur auf der Rolle befestigt wird.

6. Schritt: Die Schwänze Kein Muss – aber Flatterband steht jedem Schlittendrachen gut zu Gesicht. Schneiden Sie mit der Schere etwa 3 Zentimeter breite und 1,50 Meter lange Streifen aus leichtem Material (Spinnakertuch oder erneut Müllsack, Koss verwendet teures Ikarex) aus, umkleben jeweils ein Ende jedes Streifens mit Klebeband und versehen es mit einem Loch. Jeweils ein Loch machen Sie auch in das bereits vorhandene Klebeband neben dem unteren Ende der Flügel. Mit einer Schnur, die Sie rechts wie links durch die Löcher ziehen, lassen sich die beiden Schwänze am Drachen befestigen – und los geht’s.

Kommentare