Folge der Wirtschaftskrise

Lemuren auf Madagaskar vom Aussterben bedroht

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Foto: Ein Roter Vari sitzt im Zoo Hannover. Die Tiere werden in ihrer Heimat, den Nebenregenwäldern Madagaskars, wegen ihrer lauten Rufe „Waldgeister“ genannt

Antananarivo - Die Wirtschaftskrise auf der südostafrikanischen Tropeninsel Madagaskar bedroht auch die seltenen Lemuren, eine Primaten-Art. Denn immer mehr Menschen auf dem bitterarmen Inselstaat sind gezwungen, die Tiere zu jagen. Mit dem Fleisch ernähren sie ihre Familien.

Die seltenen Lemuren auf der südostafrikanischen Tropeninsel Madagaskar sind vom Aussterben bedroht. Insbesondere die wirtschaftliche Krise seit dem Militärputsch im Frühjahr 2009 zwinge immer mehr Menschen in dem bitterarmen Inselstaat dazu, Lemuren zu jagen, um mit dem Fleisch der Primaten ihre Familien zu ernähren, sagte Prof. Peter Kappeler vom Primatenzentrum Göttingen am Samstag der Nachrichtenagentur dpa.

„Politische Misswirtschaft zwingt die immer ärmer werdende Landbevölkerung dazu, ihre Wälder zu zerstören und Lemuren zu jagen“, sagte der Wissenschaftler. Die Regierung betreibe zudem „eine Politik des Ausverkaufs natürlicher Ressourcen“.

Bei Naturschützern hat Madagaskar wegen seiner vielen Pflanzen- und Tierarten „den weltweit höchsten Stellenwert“, sagte Kappeler. Sehr viele Pflanzen und Wirbeltiere gebe es nur hier.

Eine Untersuchung von Forschern aus mehreren Staaten habe kürzlich ergeben, dass es schon bald einige Lemurenarten gar nicht mehr geben werde, betonte Kappeler. Seit der letzten Evaluierung 2005 habe sich die Zahl der stark bedrohten Lemurenarten von 27 auf 75 erhöht – insgesamt gibt es etwa 100 Arten. Unter den gefährdeten befindet sich auch der kleinste Primat der Welt: der Madame Berthes Mausmaki.

Deutsche Zoologen spielen traditionell eine wichtige Rolle in der Lemurenforschung. Die Universität Hamburg, die Tierärztliche Hochschule Hannover und das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen betreiben seit Jahren Feldstationen und Forschungsprojekte in Madagaskar.

dpa

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