Bildungs-Baustellen

Mängel von Pisa-Test sind noch nicht beseitigt

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Niedersachsen hat nach Meinung einer Expertin immer noch keinen Weg aus der Bildungsmisere gefunden.

Hannover - Das Pisa-Debakel der deutschen Schulen liegt zwar schon Jahre zurück, ist aber in Niedersachsen noch nicht überstanden, meint die Vorsitzende des Schulverbands VBE. Aktuelle Bildungs-Baustelle sei das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung.

Auch mehr als zehn Jahre nach dem schlechten deutschen Ergebnis beim Schultest Pisa hat Niedersachsen nach Meinung einer Expertin noch keinen Weg aus der Bildungsmisere gefunden. „Die Konsequenz aus Pisa hat sich eigentlich nur in der Übertragung von Verwaltungsaufgaben niedergeschlagen“, sagte die Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Niedersachsen, Gitta Franke-Zöllmer, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Der richtige Weg wäre eine Schulreform hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit der Lehrer gewesen, meinte die Pädagogin anlässlich eines Rückblicks zum 40. Geburtstag des VBE-Landesverbands.

Niedersachsen hätte sich in den vergangenen Jahren mehr von den skandinavischen Ländern inspirieren lassen sollen, sagte Franke-Zöllmer. „Wenn ich eine selbstständige Schule will, muss ich die Lehrer für die Inhalte und die pädagogischen Abläufe verantwortlich machen.“ Wenn Lehrer eigenständig arbeiteten, lernten Schüler meist besser. In Niedersachsen seien jedoch vor allem dicke und unübersichtliche Lehrpläne entstanden.

Die deutschen Schüler hatten beim internationalen Pisa-Test im Jahr 2000 unterdurchschnittlich abgeschnitten - im Vergleich mit 32 Industriestaaten landete die Bundesrepublik in drei Kategorien auf den hintersten Plätzen. Spitzenreiter waren Finnland, Korea, Kanada und Japan. Im Vergleich der Bundesländer lag Niedersachsen im Mittelfeld.

Als aktuellste Bildungs-Baustelle nannte Franke-Zöllmer das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung. Die sogenannte Inklusion müsse ausschließlich in den Regelschulen umgesetzt werden. „Man kann nicht eine inklusive Schule mit der notwendigen Ausstattung und dem Fachpersonal einrichten und gleichzeitig die Förderschulen als System aufrechterhalten.“ Das sei Ressourcenverschwendung - und es bestehe die Gefahr, dass kein System mehr richtig funktioniere.

Seit 40 Jahren kümmert sich der Verband Bildung und Erziehung um Lehrer, Sozialpädagogen und Lehramtsstudenten in Niedersachsen. Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) würdigte die Arbeit des VBE als notwendig, konstruktiv und kritisch. „Insofern hat sich der VBE stets in die großen schulpolitischen Reformen der letzten Jahre eingebracht.“ Gerade in Zeiten der Veränderung sei die aktive Mitwirkung von Lehrerverbänden unverzichtbar.

dpa

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