UN-Klimabericht

Meeresspiegel steigen schneller als gedacht

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Foto: Am Pegelhaus im brandenburgischen Ratzdorf (Oder-Spree) am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder wird ein Wasserstand von 6,28 Metern angezeigt.

Stockholm - Der Klimawandel setzt sich unaufhaltsam fort. Der Weltklimarat warnt in seinem neuen Bericht eindringlich vor einem schneller steigenden Meeresspiegel, schmelzenden Eisdecken und mehr Hitzewellen.

Der Meeresspiegel wird deutlich schneller steigen als bislang gedacht. Im ungünstigsten Fall erhöht er sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 82 Zentimeter, wie der Weltklimarat im ersten Teil seines neuen Reports am Freitag in Stockholm präsentierte. Selbst wenn der Klimaschutz erheblich verstärkt würde, seien es noch mindestens 26 Zentimeter. "Während sich die Ozeane erwärmen und Gletscher und Eisdecken schmelzen, wird der globale Meeresspiegel weiter steigen, aber schneller, als wir es in den letzten 40 Jahren erlebt haben", sagte einer der Co-Vorsitzenden, Qin Dahe.

Die Temperaturen auf der Erde könnten bis Ende dieses Jahrhunderts bei verschiedenen Szenarien um 1,5 bis 4 Grad Celsius klettern. In unwahrscheinlicheren Modellen gehen die Wissenschaftler sogar von 0,3 bis 4,8 Grad aus. Außerdem halten die Klimaforscher es für äußerst wahrscheinlich, dass der Mensch die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. "Hitzewellen treten sehr wahrscheinlich öfter auf und halten länger an", teilte der Weltklimarat IPCC mit. Dessen Abkürzung steht für Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Sachverständigenrat für Klimaänderungen).

Im Zuge der Erderwärmung erwarten die Wissenschaftler, dass feuchtere Regionen auf der Welt mehr Niederschläge und trockenere noch weniger bekommen. "Es wird aber Ausnahmen geben." Nie war es dem Bericht zufolge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wärmer als zwischen 2001 und 2010. "Mehr Temperaturrekorde sind gebrochen worden als in jedem anderen Jahrzehnt", sagte der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation WMO, Michel Jarraud.

Die Eisdecken in Grönland und der Antarktis haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten an Masse verloren, Gletscher sind weltweit weiter geschrumpft, wie die Forscher schreiben. Für Teil 1 des aktuellen Klimaberichts haben 259 Hauptautoren in den vergangenen vier Jahren Tausende wissenschaftlicher Studien ausgewertet. Ihre Kernthesen haben sie auf 30 Seiten zusammengefasst. Der vollständige Report erscheint am Montag. Teil 2 und 3 des 5. Weltklimaberichts behandeln die Auswirkungen des Klimawandels und die politischen Möglichkeiten, ihn zu bremsen. Sie werden im Frühjahr 2014 in Japan und Berlin vorgestellt.

Klimabericht "am besten begutachtete Arbeit - aber nicht perfekt"

An dem ersten Teil des neuen Weltklimareports haben 259 Hauptautoren aus 39 Ländern vier Jahre lang gearbeitet. Nun steht der Stand der Forschung auf rund 2000 Seiten. Und so ist der erste Teil des Reports entstanden: Zunächst erstellten die von Regierungen und Organisationen vorgeschlagenen Klimaexperten einen Entwurf, ließen ihn überprüfen und erhielten über 21 000 Kommentare - auch von Klimaskeptikern. Der daraufhin verfasste zweite Entwurf bekam mehr als 31 000 Kommentare. Das Prüfverfahren war verschärft worden, nachdem im vergangenen IPCC-Bericht zwei inhaltliche Fehler standen. Das dritte Papier fassten die Forscher auf etwa 30 Seiten zusammen, die dann nochmals 1855 Mal kommentiert wurden. Diese letzte Fassung gingen schließlich die Regierungsvertreter und Forscher vier Tage lang in Stockholm Wort für Wort durch. "Das ist die am besten begutachtete wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich" sagte Prof. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven, der für das Kapitel "Beobachtungen in der Kryosphäre" (Eisschmelze) im Report kontrolliert hat, ob alle wichtigen Kommentare berücksichtigt wurden. "Die Klimamodelle sind noch nicht perfekt, aber so gut, dass sie sicherlich ausreichen für die dringende Aufforderung, etwas gegen den Klimawandel zu tun." dpa

dpa

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