Die Stadt der Zukunft

Mensch wird vom Konsument zum Produzent

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Messebesucher stehen auf der Baufachmesse „Bau“ in München am Stand der Fraunhofer-Gesellschaft in der Nähe eines Holzpavillons.

München - Gebäude werden zu Kraftwerken und Menschen zu Biogas-Herstellern. Das Projekt "Morgenstadt" der Fraunhofer-Gesellschaft setzt auf Nachhaltigkeit für die Stadt der Zukunft. Science-Fiction? Höchstens ein bisschen.

Die Zukunft der Städte fängt beim einzelnen Menschen an - zumindest in einem Projekt der Fraunhofer-Gesellschaft. Ein produzierender Konsument, der „Prosument“, soll zur Nachhaltigkeit der modernen Stadt beitragen. Klaus Sedlbauer, Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, erklärt, wie das funktionieren könnte. So ließen sich etwa menschliche Ausscheidungen nutzen: Je nachdem, welche Mahlzeit ein Mensch zu sich nehme, sei er dann ein schlechterer oder besserer Biogasspender. Die Forscher beschäftigen sich in ihrem Projekt mit der „Morgenstadt“.

Auf dem meterhohen Plakat am Stand der Messe BAU 2013 in München sind die futuristischen Gebäude würfelartig ineinander gebaut. Kleine Fahrzeuge für einen Passagier bewegen sich wie von selbst durch die Straßen - ein Fahrer ist nicht mehr nötig. Rechte Winkel gibt es auch nicht mehr. Ganz so weit sind die Forscher jedoch noch nicht - in dem Projekt geht es eher um Grundlagen.

Neben den Menschen haben auch die Häuser in der „Morgenstadt“ neue Aufgaben: Von „kleinen Kraftwerken“ spricht Andreas Kaufmann, Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz Bau: „Wir können Gebäude bauen, die mehr Energie produzieren als sie selbst verbrauchen.“ Zudem werden die Hausfassaden zu Luftreinigern, und sie verringern Geräusche. Spezielle Strukturen sollen Straßenlärm absorbieren und gleichzeitig Schadstoffe aufnehmen.

Wegen zu hoher Kosten seien solche Gebäude zwar momentan noch nicht marktreif, erklärt Kaufmann. Für das Ziel der „CO2-neutralen, energieeffizienten und klima-angepassten Stadt“ aber sind sie ein wichtiger Baustein. Es werde auch wesentlich mehr Elektromobilität geben und womöglich auch Fahrzeuge, die von selbst ihr Ziel finden, sagt Sedlbauer. Für eine Verwirklichung der Vision müssten aber erst die vielen Teilbereiche der Forschung zusammengeführt werden. „Die Kombination der unterschiedlichen Gebiete - das ist die Herausforderung.“

Die Vernetzung aller Lebensbereiche bildet den Kern der Forschung: Gebäude, Fahrzeuge, Infrastruktur sowie Freizeit und Arbeit sollen miteinander kommunizieren und vorhandene Ressourcen bestmöglich nutzen - zumindest in der Theorie. Probleme gebe es nämlich schon heute mit der Entwicklung intelligenter Energieverteilung, sagt Geschäftsführer Kaufmann: „Wir haben gar nicht die Netze, dass wir den Strom, den wir produzieren, dorthin bringen, wo er gebraucht wird.“

Trotz einiger Baustellen: Die Stadtentwicklung wird Schritt für Schritt voranschreiten. Befürchtungen, dass gewohnte Stadtbilder sich dadurch ändern könnten, teilt Kaufmann nicht. Die Städte in Europa seien organisch gewachsen und könnten nicht einfach umgebaut werden. „Natürlich will keiner, dass sich alte Stadtkerne in irgendeiner Art und Weise ändern.“ Fassaden und Strukturen könnten auch ohne Veränderungen im Aussehen modernisiert werden.

dpa

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