Wissenschaft

MHH-Forscher untersuchen Wunderheilung beim Axolotl

- Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchen die ungewöhnliche Wundheilung beim Molch Ambystoma mexicanum, kurz Axolotl genannt. Der Lurch besitzt die einmalige Fähigkeit, abgetrennte Gliedmaßen und Organe komplett wieder herzustellen.

Der Molch Ambystoma mexicanum, kurz Axolotl genannt, ist ein neuer Hoffnungsträger für die Medizin. Vielleicht kann er eines Tages für ein echtes Wunder beim Menschen sorgen.

Der ursprünglich aus dem Seen- und Grabensystem von Mexiko-City stammende Lurch besitzt die einmalige Fähigkeit, abgetrennte Gliedmaßen und Organe komplett wieder herzustellen. Sie wachsen einfach nach. Ein Vorbild für den Menschen? Am Freitag neu eröffneten Ambystoma mexicanum Bioregeneration Center (AMBC) Niedersachsen der Medizinischen Hochschule Hannover haben die Forscher den Salamander und seine in ihn gesteckten Hoffnungen vorgestellt.

„Wir wollen herausfinden, wie die Rekonstruktion der Gliedmaßen beim Axolotl und einigen seiner engen Verwandten funktioniert“, sagte die Diplombiologin und Züchterin Christina Allmeling von der MHH-Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Ihr Ziel ist die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit schweren Verletzungen. Allmeling und ihre Kollegen engagieren sich darüber hinaus auch in der Arterhaltung der vom Aussterben bedrohten Urzeittiere, indem sie ihr Wissen an Zoos und Züchter weitergeben. Den etwa 120 Tieren im Forschungszentrum werden zur Gewinnung von Zellmaterial deshalb auch nur höchst selten einzelne Zehen abgenommen.

Gemeinsam mit der Mikrobiologin Kerstin Reimers-Fadhlaoui gelang es Allmeling bereits 2007, aus der zarten Spinnenseide der Goldenen Radnetzspinne aus Tansania im Labor künstliche Nerven zu züchten. Nun also Axolotl, der mexikanische Querzahnmolch, der sein Leben lang wächst, und in dessen Wundheilungsfähigkeit die Wissenschaftler große Hoffnungen legen. Mit molekular- und zellbiologischen Methoden ermitteln Reimers-Fadhlaoui und Allmeling das sogenannte Transkripton, die Gesamtheit der aktiven Gene von Axolotl. So konnte aus seinem Regenerationsgewebe bereits ein viel versprechendes Enzym mit wundheilungsfördernden Eigenschaften festgestellt werden. „Wir legen großen Wert darauf, die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen zu können“, betont Reimers-Fadhlaoui. Die Daten werden in internationale Datenbanken eingestellt.

„Je größer die Verletzungen durch Verbrennungen, Erfrierungen oder Brüche, desto begrenzter sind unsere Möglichkeiten der vollständigen Heilung“, sagte Chirurg Björn Menger von der MHH-Klinik für Plastische Chirurgie. „Aber eine schnellere Wundheilung nach Verkehrsunfällen brächte für uns Ärzte schon eine enorme Verbesserung.“

Kommentare