KiGGS-Studie

Nachwuchs bewegt sich mehr und raucht weniger

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Die Kinder und Jugendlichen in Deutschland bewegen sich mehr.

Berlin - Sie treiben Sport, rauchen und trinken weniger und gehen regelmäßig zu ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen: Den allermeisten Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht es gesundheitlich gut. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesundheitsstudie KiGGS des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) in einer am Montag vorgestellten Folgebefragung.

„Erhöhte Risiken tragen vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status“, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger. Dies trifft den 2009 bis 2012 in telefonischen Befragungen erfassten Daten zufolge auf Unfälle ebenso zu wie auf psychische Auffälligkeiten und ADHS. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialniveau rauchen zudem eher und sind seltener sportlich aktiv.

Die „KiGGS“-Daten zeichneten insgesamt ein positives Bild der Gesundheitssituation und der gesundheitlichen Versorgung von Kindern, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. „Sie zeigen aber auch, dass noch immer nicht alle Kinder von klein auf ausreichend gefördert werden.“

Unfälle als größte Gefahrenquelle

Eine der größten Gefahrenquellen für Kinder und Jugendliche in Deutschland sind Unfälle. 15,5 Prozent der 1- bis 17-Jährigen waren innerhalb von 12 Monaten wegen eines Unfalls in ärztlicher Behandlung, Jungen mit 17 Prozent häufiger als Mädchen (14 Prozent). Jungen zeigten eher „Risiko suchende Verhaltensweisen“, etwa beim Sport und im Straßenverkehr, schreiben die „KiGGS“-Autoren.

Fast die Hälfte der Unfälle - 43,8 Prozent - passierten zuhause oder im privaten Umfeld. Jedes achte Kind musste mindestens eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Für Kinder ab einem Jahr seien Unfälle die häufigste Todesursache, heißt es in der „KiGGS“-Analyse: Im Jahr 2012 starben demnach 180 Mädchen und 390 Jungen an dabei zugezogenen Verletzungen. Insgesamt geht die Zahl tödlicher Unfallverletzungen aber kontinuierlich zurück.

Zum Positiven verändert hat sich auch das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Zwar rauchen zwölf Prozent der 11- bis 17-Jährigen, knapp die Hälfte davon täglich. Seit der letzten Befragung von 2003 bis 2006 hat sich die Raucherquote damit aber fast halbiert (20,4 Prozent). Dies gehe auf verstärkte politische Bemühungen zur Eindämmung des Rauchens wie Tabaksteuererhöhungen und Nichtraucherschutzgesetze zurück, erläutern die „KiGGS“-Experten.

Weniger Alkohol und mehr Sport

Auch der Alkoholkonsum schwindet: Waren es sechs Jahre zuvor noch 62,8 Prozent, geben nun 54,4 Prozent der Jugendlichen an, jemals Alkohol getrunken zu haben. Einen riskanten Alkoholkonsum stellen die Autoren bei einem von sechs Jugendlichen (15,8 Prozent) im Alter von 11 bis 17 Jahren fest. Geschlechterunterschiede gibt es dabei nur bei älteren Jugendlichen.

Sport treiben mehr als drei Viertel (77,5 Prozent) der 3- bis 17-Jährigen regelmäßig, knapp 60 Prozent sind in einem Sportverein aktiv. So mag kaum verwundern, dass 94 Prozent der Eltern den Gesundheitszustand ihrer Kinder für gut oder sehr gut halten. Etwa 16 Prozent der Kinder haben demnach zwar ein chronisches Gesundheitsproblem. Nur etwa jedes Fünfte - 3,2 Prozent der bis 17-Jährigen - wird dadurch aber verglichen mit Gleichaltrigen eingeschränkt.

Die Autoren betonen in den mehr als zehn Beiträgen vielfach, dass es sich bei „KiGGS Welle 1“ um eine telefonische Befragung handelt, während die Basisbefragung über Bögen zum Ausfüllen erfolgte. „Die Tendenz zu eher positiven Antwortmöglichkeiten ist im Interview häufiger im Vergleich zu schriftlichen Befragungen“, heißt es. „Die Art der Befragung kann durchaus auch einen Methodeneffekt haben“, bestätigte Heike Hölling vomRKI, die Leiterin der Studie. Die verschiedenen Limitationen seien aber so weit wie möglich durch Gewichtung ausgeglichen worden, schreiben die Autoren in ihrer Studie.

An der „KiGGS“-Erhebung beteiligen sich 12 000 Kinder und Jugendliche bis zu 17 Jahren sowie Eltern. Die Basisbefragung fand zwischen 2003 und 2006 statt, nun wurden Angaben aus 2009 bis 2012 ausgewertet. Die nächste Datenerhebung („KiGGS Welle 2“) soll im September beginnen.

dpa

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