Tiere

Nahrungsmangel könnte zum Problem für Störche werden

+
Zwei wenige Tage alte Weißstörche, aufgenommen im Weltvogelpark in Walsrode.

Berne - Störche gelten nach wie vor als Glücksbringer. Ihre Zahl in Deutschland wächst seit Jahren langsam, aber stetig. Doch der immer enger werdende Lebensraum könnte zu einem Nahrungsproblem werden.

In Deutschland gibt es immer mehr Störche, aber immer weniger geeigneten Lebensraum. Ein Rückgang der Nahrungsflächen bedeute ein Ernährungsproblem, sagte Storchenvater Hans-Jürgen Behrmann, zuständig für die niedersächsischen Landkreise Gifhorn und Celle, am Montag. „Das wird für die Störche vielleicht zur Katastrophe führen“, warnte Udo Hilfers von der Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne.

Ein Auslöser ist nach Ansicht der Storchenhüter der verstärkte Maisanbau. „Im Maisfeld findet der Storch keine Maus“, sagte Bärbel Rogoschik vom Nabu-Artenschutzzentrum in Leiferde. Behrmann kritisierte, dass fast sämtliche Grünbrachen inzwischen beackert würden. „Wir brauchen eine intakte Natur damit alle Tiere leben können und keine Monokultur“, forderte Hilfers. „Wir müssen Grünlandflächen erhalten und Grünbrachen wieder einrichten.“

Teilweise zweistellige Zuwachsraten

In ganz Deutschland zählte die Nabu-Bundesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz im vergangenen Jahr 5229 Paare, ein Plus von 7 Prozent. 2012 gab es in Niedersachsen und Bremen 574 Storchenpaare, 15 Prozent mehr als 2011. In Nordrhein-Westfalen sind die Zuwachsraten zweistellig. Den stärksten Rückgang gab es nach der Statistik im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern mit minus 25 Prozent. Die einst starke Ostpopulation der überwiegend ostwärts ziehenden Störche gehe zurück, während die Westpopulation über Spanien hinzugewinne, sagte Hilfers.

Die Verluste der Westzieher sind wesentlich geringer als bei ihren ostziehenden Artgenossen. Auf ihrem Zug in den Süden überwintern inzwischen viele Tiere in Spanien und fliegen nicht mehr bis nach Afrika. Auf den Mülldeponien in Spanien fänden die Störche genügend Nahrung zum Überleben, sagte Hilfers. „Die sind da nicht sehr wählerisch, auch vor Nudeln schrecken sie nicht zurück.“ Somit würden immer mehr Jungstörche überleben. Auch im langen deutschen Winter haben sich die früh zurückgekehrten Störche bei Frost und Schnee Ausweichstellen gesucht. Auf den Mülldeponien in Braunschweig und Wolfsburg seien im Februar bis zu 60 Störche gesichtet worden, so viele wie noch nie, sagte Behrmann. „Die Tiere sind findig und gucken, wie sie über die Runden kommen.“

Revierkämpfe bei großen Populationen

Die große Population mit vielen Einzeltieren führt bei den Störchen inzwischen auch zu Revierkämpfen. So wurde in einem Nest bei Gifhorn bereits gebrütet, als ein Nebenbuhler auftauchte. Seine „Frau“ hatte sich einen Jüngeren zur Paarung ausgesucht. Doch der Alte vertrieb den Neuen und zerstörte die Brut, um mit seinem eigenen Erbgut zum Zuge zu kommen. Nun hockt das Paar vereint auf dem Nest. Da muss man jetzt abwarten, ob das Weibchen noch mal nachlegt, meinte Storchenvater Behrmann.

In den westlichen Bundesländern sind nach Nabu-Angaben die ersten Störche geschlüpft. In Niedersachsen meldete die Wesermarsch und Leiferde (Kreis Gifhorn) den ersten Nachwuchs. Der lange Winter hat diesmal die Brut verzögert. „Die Paare haben etwa zwei Wochen später angefangen.“

dpa

Kommentare