Wegen Krim-Krise

Nasa schränkt Kooperation mit Russland ein

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Beim Betrieb der Internationalen Raumstation ISS wollen Amerikaner und Russen noch zusammenarbeiten.

Houston/Moskau - Die USA legen nun auch in der Raumfahrt ihre Zusammenarbeit mit Russland wegen des Ukraine-Konflikts zum Teil auf Eis. Der Flug des Deutschen Alexander Gerst mit einem US-Amerikaner und einem Russen zur Raumstation ISS soll aber wie geplant stattfinden.

Die Krim-Krise hat nun auch die internationale Raumfahrt erreicht. Die US-Raumfahrtagentur Nasa stoppte wegen der Ukraine-Politik des Kreml demonstrativ weitgehend ihre Zusammenarbeit mit Russland. Bei dem mit Abstand wichtigsten Kooperationsprojekt, dem Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, soll es jedoch keine Abstriche geben, teilte die Nasa mit. Russland reagierte deshalb in einer ersten Stellungnahme gelassen. Außer der ISS gebe es überhaupt keine Zusammenarbeit mit den USA auf Staatsebene, teilte Vizeregierungschef Dmitri Rogosin am Donnerstag per Twitter mit.

Die USA sind nach dem Ende ihres Shuttle-Programms auf russische Sojus-Kapseln für den Transport von Astronauten zur ISS angewiesen. Pro Reise zahlt die Nasa umgerechnet 50 Millionen Euro. Derzeit arbeiten zwei US-Amerikaner auf der ISS. Der Nasa-Astronaut Reid Wiseman soll Ende Mai in den Kosmos starten, mit dem Deutschen Alexander Gerst und dem Russen Maxim Surajew. Die Mission sei nicht gefährdet von dem Streit, hieß es zuletzt. Der Westen wirft Russland vor, sich die Halbinsel Krim völkerrechtswidrig einverleibt zu haben. Der US-Tageszeitung "New York Times" zufolge dürften Nasa-Mitarbeiter nicht mehr nach Russland reisen und Vertreter der russischen Regierung keine Nasa-Einrichtungen mehr besuchen.

Kritik aus Moskau

Wie die Nasa in einer Email an Führungskräfte der Raumfahrtbehörde weiter schrieb, soll es keine bilateralen Treffen, E-Mail-Kontakte sowie Telefon- und Videokonferenzen mehr geben. Der US-Fernsehsender Fox News betonte, die Echtheit des Schreibens sei der TV-Station bestätigt worden. Das russische Maschinenbauunternehmen Energomash kritisierte das Verbot. Die Firma lieferte bisher Triebwerke vom Typ RD-180 an die USA für deren Trägerrakete Atlas. "Die US-Sanktionen werfen Russland und die USA auf dem Gebiet der Weltraumforschung um Jahrzehnte zurück", sagte Direktor Wladimir Solnzew der Agentur Ria Nowosti. "Die Strafmaßnahmen zielen auf Moskau, treffen im Endeffekt aber die ganze Welt, weil Wissenschaft für alle wichtig ist", betonte Solnzew.

Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos sprach von einem "ernsten Schritt" der USA. "Wir hängen von der Nasa zwar nicht ab, weil wir im Unterschied zu ihr ein einsatzfähiges Raumschiff besitzen", sagte er. Allerdings hätten beide Länder 1975 sogar zu Zeiten des Kalten Krieges beim sogenannten Apollo-Sojus-Test-Projekt zusammengearbeitet, sagte er. "Bereits die Kopplung von Sojus und Apollo im Jahr 1975 hat gezeigt, welchen völkerverbindenden Platz die Raumfahrt in der Geschichte einnehmen kann", betonte auch Prof. Johann-Dietrich Wörner, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Heute ist die Internationale Raumstation, das größte Technologieprojekt der Menschheit, verbunden mit der technisch-technologischen und wissenschaftlichen Kooperation über politische Grenzen hinaus, der Beweis für die friedliche Nutzung des Weltraums", ergänzte Wörner. "Aus dem All sind keine Grenzen zu sehen - wissenschaftliche Zusammenarbeit muss auch über Grenzen hinweg möglich sein."

Der russische Raumfahrtexperte Juri Karasch sagte, der Streit werde die USA vermutlich veranlassen, die Entwicklung eines eigenen Raumschiffs wieder schneller voranzutreiben. Der Nasa zufolge soll der Test des neuen Raumschiffs "Orion" noch in diesem Jahr erfolgen. Der erste bemannte Flug soll Medien zufolge 2017 erfolgen.

dpa

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