Vergleichstest

Niedersachsens Grundschüler sind Mittelmaß

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Grundschüler aus Bayern haben bei dem Vergleichstest am besten abgeschnitten.

Hannover/Berlin - Beim Lesen und Rechnen hängt der Süden schon in der Grundschule den Norden ab. Während niedersächsische Viertklässler bei einem bundesweiten Leistungsvergleich durchweg im Mittelfeld liegen, schneiden ihre Altersgenossen aus Bayern immer als Beste ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen.

Für die Studie, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde, hat das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusministerkonferenz mehr als 27.000 Viertklässler an insgesamt 1300 Grund- und Förderschulen in Mathematik, Lesen und Rechtschreibung getestet. In Niedersachsen waren 80 Schulen beteiligt, darunter vier Förderschulen. Ausgewertet wurden zentrale Vergleichsarbeiten aus dem vergangenen Jahr.

Beim Lesen erzielt Niedersachsen 503 Punkte und ist damit etwas besser als der Länderdurchschnitt von 500 Punkten, Das reicht für Platz 6. Bayern kommt auf 515 Punkte. Beim Rechnen liegt Niedersachsen kurz unter dem Durchschnitt und landet auf Rang 7. Einzig in der Kategorie „Zuhören“ schafft es Niedersachsen zusammen mit Schleswig-Holstein in die Spitzengruppe. Beide Länder teilen sich den dritten Platz. Zwei Drittel der niedersächsischen Viertklässler sind beim Lesen und Rechnen auf dem Niveau des KMK-Standards oder besser, beim Zuhören und Verstehen sind es sogar drei Viertel.

Bayern, Sachsen und Thüringen schneiden beim Grundschultest insgesamt gut, die Stadtstaaten eher schlecht ab. Schlusslicht ist Bremen. Der Ländervergleich zeigt: Kinder aus bildungsfernen Familien und mit ausländischen Wurzeln gehören zu den Verlierern im deutschen Schulsystem. Je niedriger der soziale Status der Eltern, desto schwächer die Leistung der Kinder. In Bayern werden gerade die Kinder aus Akademikerhaushalten auch in der Schule besonders gefördert – und ziehen so das Leistungsniveau noch höher.

Von den Bildungspolitikern in Niedersachsen wird der Grundschulvergleich unterschiedlich interpretiert: Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) sieht in den Ergebnissen einen „Beweis für die Stärke der Grundschulen“ und meint, vor allem die Sprach- und Leseförderung habe sich ausgezahlt. Nachholbedarf gebe es jedoch bei der Leseförderung für Jungen, zudem müssten ausländische Eltern stärker eingebunden werden. FDP-Bildungsexperte Björn Försterling sagt, es habe sich rentiert, dass Niedersachsen die Schwerpunkte auf Deutsch- und Mathematikunterricht gelegt habe und mit der Sprachförderung schon vor der Einschulung beginne.

„Mit dem Mittelfeld kann man nicht zufrieden sein“, sagt dagegen Frauke Heiligenstadt, Kultus-Schattenministerin im Team des SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil. Noch immer entscheide die soziale Herkunft über die Bildungschancen. Echte, verpflichtende Ganztagsschulen könnten Abhilfe schaffen. Zudem wolle die SPD im Falle eines Wahlsiegs Grundschulen, die in sozialen Brennpunkten größerer Städte liegen, noch einmal besonders fördern. Anstatt Lehrer einmal in der Woche in die Kitas zu schicken, sei es besser, Sprachförderung in den Kita-Alltag einzubauen.

Christiane Töller-Weingart vom Grundschulverband sagt, ein Grund für den Erfolg der bayerischen Schüler könne auch der lehrerzentrierte Unterricht sein: „Die Kinder haben gar nicht die Möglichkeit auszubüxen, anders als mit dem offenen System in Niedersachsen, wo den Kindern mehr Freiraum bleibt, dadurch sind sie aber auch selbstständiger.“

Saskia Döhner und Maja Heinrich

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