„Ganz schwere Prozedur!“

Der Nobel-Anruf aus Stockholm

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Anfang Oktober erfahren die Wissenschaftsgrößen, ob sie solch eine Nobelpreis-Medaille erhalten werden.

Kopenhagen/Stockholm - In Stockholm werden ab Montag wieder die wissenschaftlichen Nobelpreisträger bekanntgegeben. Wenige Minuten zuvor informieren die Juroren die Forscher telefonisch. Was da schiefgehen gehen, berichtet die Sprecherin des Chemie-Komitees, Astrid Gräslund.

Jedes Jahr Anfang Oktober sitzen allerlei Wissenschaftsgrößen vor ihren Telefonen und hoffen inständig auf einen Anruf aus Stockholm. Oder sie liegen. Denn meistens geht die Mitteilung über die Zuerkennung eines Nobelpreises ja doch über den Atlantik in die USA. Dort schlafen die Leute normalerweise, wenn die schwedischen Juroren ihre Botschaft kurz vor der offiziellen Verkündung den Preisträgern übermitteln wollen.

„Wir haben auch schon mal die falsche Nummer gehabt“, erzählt Astrid Gräslund, „Ständige Sekretärin“ der Chemie-Jury. Den richtigen Namen des falschen Preisträgers will sie nicht preisgeben: „Ich nenne ihn mal Smith.“ Und weiter: „Der sagte dann: Wieso Professor Smith und Nobelpreis bekommen? Ich bin nur Mister Smith.“ Da habe man den Irrtum bei der Telefonnummer erkannt und nach einer diskreten Entschuldigung aufgelegt.

Nicht einfach diskret auflegen konnten im letzten Jahr die Juroren vom Karolinska Institut für den Medizin-Nobelpreis nach ihrem vergeblichen Anruf beim frisch gekürten Preisträger Ralph Steinman in New York. Der Immunologe war drei Tage vor der Bekanntgabe gestorben. Niemand in Stockholm wusste davon. Erst nach langem Hin und Her war klar, dass Steinman den Preis trotz anderslautender Regeln posthum bekommen konnte.

„So ganz kann man sich gegen einen ganz kurzfristig eintretenden Todesfall als Überraschung nicht wappnen“, sagt Gräslund. „Aber in der Regel wissen wir schon durch allerlei Kontakte, ob ein potenzieller Preisträger vielleicht schwer krank ist.“ Da gebe es immer „Bekannte oder Bekannte von Bekannten, die etwas wissen“.

Durch solche Netzwerke unterschiedlicher Güte fischen die Juroren auch private Telefonnummern heraus, die bei prominenten Wissenschaftlern oft „heiße Ware“ sind. Einerseits, weil die viel Gefragten nicht von jedermann belästigt werden wollen. Andererseits aber auch, weil sie unter gar keinen Umständen wissen sollen, dass man in Stockholm nach ihnen sucht. „Wir haben da eine gewisse Finesse entwickelt“, meint Gräslund.

Es klappt wohl nicht immer. „Ziemlich viele sind am Telefon doch nicht so richtig überrascht, dass wir anrufen“, bekennt die Komiteesekretärin nach 15 Jahren Nobel-Telefondienst. Vorgesorgt ist für den Fall, dass die Angerufenen glauben, Scherzkekse würden sie auf Englisch mit schwedischem Akzent auf den Arm nehmen: „Wir sind mehrere rund ums Telefon mit Lautsprecher. Da ist eigentlich immer jemand dabei, den der Preisträger persönlich kennt.“

Was man tun kann, wenn keiner abnimmt? „Nichts“ sagt Astrid Gräslund und gibt präzise Auskunft: „Bei zwei von drei Anrufen kommen wir durch.“

dpa

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