Umweltfreundliches Frachtschiff

Norweger will Schifffahrt revolutionieren

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Foto: Das Vindskip als Computeranimation. Das Frachtschiff soll vorwiegend vom Wind angetrieben werden.

Oslo - Es sieht aus wie ein gigantisches Bügeleisen, das über die See gleitet. Ein Frachtschiff, das überwiegend vom Wind angetrieben wird - damit will der Norweger Terje Lade die Transportschifffahrt umweltfreundlicher machen. Jetzt hat er sein Projekt Journalisten vorgestellt.

In der Animation teilt der 46 Meter hohe, fensterlose Koloss das Meer mit einer Eleganz, die zu seiner Masse in starkem Widerspruch steht. Dieses Schiff wird nicht von PS-starken, lärmenden Schwerölmotoren bewegt. Der Wind trägt es. Ein Frachtschiff, das überwiegend vom Wind angetrieben wird - damit will der Norweger Terje Lade die Transportschifffahrt umweltfreundlicher machen. Jetzt hat er sein Projekt Journalisten vorgestellt.

Vorbild Flugzeug

Wie kommt Vindskip vorwärts? „Trifft der Wind schräg von vorn auf den Rumpf, entsteht daraus eine Kraft in Längsrichtung, das Schiff nimmt Fahrt auf. Da der Rumpf die Form eines vertikal stehenden symmetrischen Tragflügels wie bei einem Flugzeug hat, muss der schräg einfallende Wind auf der ihm abgewandten Seite – Lee – einen längeren Weg zurücklegen. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der das Schiff nach vorne zieht“, erklärt Vindskip-Patentinhaber Lade. Auf eine Geschwindigkeit von 18 bis 19 Knoten soll es der Frachter bringen, und damit ebenso schnell sein wie herkömmlich angetriebene Schiffe.

„Mein Schiff braucht 60 Prozent weniger Kraftstoff und stößt 80 Prozent weniger Abgase aus“, verspricht der Ingenieur aus Ålesund. Auf hoher See profitiere sein Vindskip (zu Deutsch: Windschiff) von den kostenlosen Böen und verbrauche sehr viel weniger Energie als ein konventionelles, mit Schwer- oder Dieselöl betriebenes Schiff. Damit das funktioniert, ist der Rumpf geformt wie ein Segel. „Der Wind wird in Antriebsenergie umgewandelt“, sagt Lade. „Wie bei einem Flugzeug. Nur dass es nicht nach oben, sondern nach vorn getrieben wird.“

Entscheidend allerdings ist, dass das Vindskip im optimalen Winkel zur Windrichtung segelt. Dafür sorgen Forscher des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML). Sie haben ein maßgeschneidertes Wetterprogramm entwickelt, das mithilfe von meteorologischen Daten die Route mit dem günstigsten Winkel zum Wind findet. „Mit unserem Wetter-Routing-Modul lässt sich berechnen, welchen Kurs das Schiff am besten fährt, um möglichst wenig Brennstoff zu verbrauchen und so die Kosten zu senken. Denn teurer Treibstoff macht einen Großteil der Kosten aus“, sagt Laura Walther, Wissenschaftlerin am CML in Hamburg. Außerdem könne das Schiff auf diese Weise Stürmen aus dem Weg gehen.

Der Prototyp, den der 63-jährige Lade zunächst als Transporter für Autos am Computer konzipiert hat, soll mit seinen 18 Knoten genauso schnell sein wie ein konventionell angetriebenes Schiff. Damit der Frachter auch bei Windstille konstant seine Geschwindigkeit halten kann, ist er zusätzlich mit einem umweltfreundlichen mit flüssigem Erdgas betriebenen Antrieb ausgestattet. Der Verbrauch sei sehr gering, schätzen die Experten vom Fraunhofer CML. „Damit erfüllt das Schiff alle Anforderungen der Emissionsrichtlinien.“

Das wird spätestens 2020 relevant, wenn die neuen Umweltauflagen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in Kraft treten. In bestimmten Gebieten dürfen Schiffe dann nur noch 0,1 Prozent Schwefel im Treibstoff haben, doch der höherwertige Kraftstoff mit weniger Schwefel ist teurer als das bislang genutzte Schweröl. Reedereien stünden vor der großen Herausforderung, ihre Treibstoffkosten zu senken, meinen die Wissenschaftler in Hamburg. Und hier sieht der Norweger Lade sein Chance: „Schwefel verunreinigt die See und belastet die Garnelen und Krabben. Es muss etwas geschehen“, so der 63-Jährige. Beim dänischen Großreeder Møller-Mærsk ist man skeptisch. „Wir glauben nicht, dass windbetriebene Systeme in der nahen Zukunft eine bedeutende Rolle in der Containerschifffahrt spielen werden“, sagt die Chefin für Nachhaltigkeit, Signe Bruun Jensen.

Maersk habe mit dem Einsatz von zwei langsameren Motoren und zwei Propellern sowie einem erweiterten Abwärme-Rückgewinnungssystem gute Erfolge erzielt. Bei den sogenannten Triple-E-Schiffen sei so die CO2-Effizienz um 50 Prozent pro Container verbessert worden. Terje Lade lässt sich von Skeptikern nicht entmutigen. Immerhin, eine Reederei hat er schon, die ihn unterstützt: die norwegische Firma Wilhelmsen. Für sein Schiff ist er optimistisch: „2019 stechen wir in See.“

Von Sigrid Harms

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