Landesregierung ist gegen Widerspruchslösung

Organspender sollen sich weiterhin freiwillig melden

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Die Mehrheit der Landesregierung in Niedersachsen ist gegen die Widerspruchslösung bei der Organspende.

Hannover - Allein in Niedersachsen warten über 1000 Menschen auf ein Spenderorgan. Eine Änderung der geltenden Regelung ist umstritten: Die Mehrheit der Landesregierung in Niedersachsen ist gegen die Widerspruchslösung - Spender sollen sich weiterhin freiwillig melden.

Die Mehrheit der schwarz-gelben Landesregierung in Niedersachsen ist gegen die Widerspruchslösung bei Organspenden. Er sei gegen eine Regelung, bei der jeder automatisch ein Organspender sei, wenn er sich nicht dagegen ausspreche, sagte Landeschef David McAllister (CDU) in Hannover.

„Nur Einspruch einzulegen, reicht nicht aus, da jeder Mensch sich mit dem Thema individuell auseinandersetzen und eine persönliche Entscheidung für oder gegen die Organspende treffen muss“, meinte auch Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

So wie Wanka und McAllister sehen es die meisten Regierungsmitglieder und begründen ihre Meinung mit dem Persönlichkeitsrecht, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Über 1000 Niedersachsen warten derzeit auf eine lebensrettende Spende, bundesweit sind es rund 12 000 Patienten. Kritiker fordern angesichts dieses Organmangels die in Deutschland geltende Regelung zu ändern. Wie beispielsweise in Spanien und Österreich solle jeder Einspruch erheben müssen und sich nicht mehr auf eigene Initiative bei der sogenannten erweiterten Zustimmungslösung für oder gegen eine Spende entscheiden.

Eine Widerspruchslösung verunsichere aber die Menschen, sagte dagegen Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU). „Niemand darf Angst haben, im Zweifel gegen seinen Willen zum Organspender zu werden.“ Es solle bei einer bewussten und freiwilligen Entscheidung bleiben, meinte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

„Ich glaube, die Erklärungslösung ist der geeignete Mittelweg zwischen Zustimmungslösung auf der einen Seite und Widerspruchslösung auf der anderen Seite“, betonte McAllister. So habe sich Niedersachsen in den vergangenen Jahren positioniert und stütze den Standpunkt von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

Seine angestrebte Organspende-Reform war kürzlich in Berlin gescheitert. Bahr will die Deutschen angesichts des Mangels an Spenderorganen gezielt auf eine mögliche Spende ansprechen lassen, damit sie ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis angeben.

Vor einigen Tagen hatte auch McAllister seinen ersten Organspendeausweis unterschrieben. Derzeit besitzen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation etwa 20 Prozent der Deutschen einen solchen Ausweis. „Man weiß ja nie - vielleicht ist man selbst mal auf Fremdunterstützung angewiesen“, begründete McAllister seine Entscheidung. Ein Spenderausweis sorge für klare Verhältnisse.

Nach Experten-Ansicht könnte aber auch die Widerspruchsregelung bei Ärzten für Klarheit sorgen. „Die behandelnden Ärzte könnten ganz anders an die Gespräche mit den Angehörigen rangehen“, sagte der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Andreas Tecklenburg. „Es ist ein riesiger Vorteil, wenn man das Beileid und das Mitgefühl ausdrücken kann, aber dann nicht sagen muss: „Und im Übrigen hätten wir gern das Organ.““ In der hannoverschen Klinik werden mit rund 440 Organverpflanzungen pro Jahr bundesweit die meisten Transplantationen durchgeführt.

Auch zwei niedersächsische Minister können sich eine Widerspruchsregelung vorstellen: Innenminister Uwe Schünemann und Justizminister Bernd Busemann (beide CDU). Schünemann wirbt nach eigenen Angaben darum, dass alle kommunalen Stellen sich an der Aufklärung zur Organspende beteiligen.

Busemann sagte: „Wenn es bei der momentanen Regelung bleibt, ist zu befürchten, dass aus Unkenntnis oder aus Bequemlichkeit viele Organe bei den Menschen bleiben.“

dpa

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