Bundesanstalt für Geowissenschaften

Polarforscher erkundet Schätze der sibirischen Arktis

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Die Expedition soll Aufschluss über mögliche Erdöl- und Erdgasvorkommen in der sibirischen Arktis geben.

Hannover - Der Geologe Karsten Piepjohn (53) war schon mehr als 25 Mal in der Arktis, vor allem in Grönland und Spitzbergen. Zum ersten Mal erlaubte Russland im September einem internationalen Forscherteam eine große geologische Expedition zu den Neusibirischen Inseln im Polarmeer. Die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) geleitete Erkundungsfahrt in das kaum erforsche Terrain sollte auch Aufschluss über mögliche Erdöl- und Erdgasvorkommen geben.

Herr Piepjohn, Sie sind gerade als Expeditionsleiter von den Neusibirischen Inseln zurückgekehrt, die Tour war eine Premiere. War das ein besonderes Abenteuer für Sie?

Piepjohn: „Auf jeden Fall. Dank der Kooperation mit den Kollegen vom Geologischen Forschungsinstitut in St. Petersburg ist alles glatt gegangen. Die Neusibirischen Inseln sind kaum erforscht, weil die Logistik schwierig ist. Der Mond ist besser kartiert als manche Teile der Arktis. Wir sind mit dem alten sowjetischen Eisbrecher „Mikhail Somov“ vom Hafen Tiksi gestartet, um in drei Wochen alle Inseln des Archipels zu untersuchen. Dabei wurden wir täglich mit dem Hubschrauber ins Gelände und abends wieder zum Schiff geflogen. An den Steilküsten mussten wir mehrmals stoppen, weil ein Eisbär auf dem Felsen saß. Uns ist nichts passiert, aber man muss aufpassen. Vor ein paar Tagen ist in Franz-Josef-Land im Nordpolarmeer ein russischer Forscher von einem Eisbären getötet worden.“

Das Interesse an der Arktis wächst, weil dort ein Viertel der weltweiten Erdöl- und Erdgasreserven vermutet wird. Haben Sie Hinweise auf Bodenschätze entdeckt?

Piepjohn: „An einer Stelle rochen die Gesteine ein bisschen nach Benzin, wie ich es schon an anderen Stellen der Arktis erlebt habe. Der Verdacht besteht, dass man da auf Erdöl stoßen könnte. Wir haben Proben genommen, die jetzt im Labor der BGR in Hannover biochemisch untersucht werden. Es gibt Verfahren, mit denen man herausfinden kann, ob es sich lohnt, dort weiter zu suchen. Sollte es Erdöl oder wahrscheinlich Erdgas eher in diesen Gebieten geben, dann reden wir über Zeiträume von 30 bis 40 Jahren, bis irgendetwas passiert. In Anbetracht der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bleibt zu hoffen, dass die Technik dann soweit ist, dass derartige Ereignisse nicht mehr passieren. Die Arktis ist ein empfindliches Ökosystem.“

Die BGR ist eine staatliche Einrichtung. Will Deutschland mit Ihrer Forschung auch einen Fuß in die Tür bekommen, sollte es tatsächlich in der sibirischen Arktis Rohstoffvorkommen geben?

„Wir können die Bundesregierung nur beraten. Aber es ist ja so, dass wir in Deutschland wenig Rohstoffe haben und in den nächsten 20 bis 40 Jahren auf Importe angewiesen sind. Wenn wir jetzt in der Vorlaufforschung mit den Partnern in den jeweiligen Ländern zusammenarbeiten und die Forschung auch finanzieren, hofft die Bundesrepublik auf günstige Abnahmeverträge. Übrigens sucht eine Firma in Spitzbergen jetzt aufgrund unserer dort durchgeführten Grundlagenforschung gezielt nach Gold. Auch die russischen Kollegen sind an einer weiteren Kooperation interessiert. In den nächsten Sommern sind wir wieder in Spitzbergen und Kanada, für 2015 ist eine zweite deutsch-russische Expedition geplant.“

dpa

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