Stiftung Warentest testet Zahnpastas

Richtig auf die Tube drücken

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Grundsätzlich empfehlen die Experten, zweimal täglich die Zähne zu putzen.

- Zahncremes gibt es in vielen Varianten. Welche ist bloß die richtige? Verbraucher sollten vor allem auf eines achten: Fluoride. Sie bieten den besten Kariesschutz und beugen Zahnbelägen und Entzündungen vor.

Von Atemfrisch bis Zahnsteinvorbeugung, von Extra-Sensibel bis Perlweiß: Die Vielfalt der auf dem Markt angebotenen Zahncremes ist schier unübersehbar. Die richtige Marke für sich zu finden, sei dennoch kein Problem, betont Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „Der wichtigste Inhaltsstoff in einer Zahnpasta sind Fluoride“, sagt er. „Und 90 Prozent der angebotenen Produkte enthalten Fluoride.“ Wichtig: Während Erwachsenenzahncreme in der Regel einen Fluoridanteil von 1500 Parts per Million (ppm) hat, sollte dieser bei Kinderzahncreme mit 500 ppm deutlich niedriger liegen.

Aufgabe des Fluorids als hauptsächlicher therapeutischer Wirkstoff ist es, dem Zahnschmelz Mineralien zurückzugeben, die durch Säuren aus den Nahrungsmitteln aus der Zahnoberfläche gelöst wurden. Laut der Stiftung Warentest, die im Oktober 2013 insgesamt 39 Zahnpasten bewertet hat, bieten Cremes mit Aminfluorid, Zinnfluorid oder Natriumfluorid den besten Schutz vor Karies. Eine Kombination aus Aminfluorid und Zinnfluorid wirkt darüberhinaus antimikrobiell und beugt damit Zahnbelägen und Entzündungen vor. Vorsicht ist laut Dirk Kropp, Sprecher der Initiative ProDente, bei einigen in Bioläden angebotenen Zahncremes mit deutlich niedrigerem Fluoridgehalt geboten.

Der zweite wichtige Aspekt bei einer Zahncreme ist ihr Reinigungseffekt. Waschaktive Substanzen wie Tenside und sogenannte Putzkörper aus hauptsächlich Silikaten sollen Bakterienbeläge entfernen. Einen Hinweis auf die Abriebwirkung einer Zahncreme biete der sogenannte RDA-Wert, erklärt der BZÄK-Experte Oesterreich. Dieser sei allerdings nicht international genormt und daher kein zuverlässiger Richtwert. Die meisten Hersteller geben den RDA-Wert auf ihrer Zahnpasta auch gar nicht an.

Zahnpasta im Test

Informationen über 39 getestete Zahnpasten bietet die Stiftung Warentest in ihrem Produktfinder an.

Wer es genauer wissen möchte, kann sich im Internet weitergehend informieren, beispielsweise im Produktfinder der Stiftung Warentest. Dort können die 2013 getesteten Zahncremes auch nach dem Abrieb sortiert werden. Dabei gilt: Ein hoher RDA-Faktor steht für einen hohen Abrieb. Einen ersten Hinweis biete meist schon der Geschmackstest, sagt Prof. Oesterreich. Viele Putzkörper verursachen ein körniges Mundgefühl. Weitere Inhaltsstoffe gegen Parodontitis, Verfärbungen oder schlechten Atem haben nicht immer eine nachweisbare Wirkung. „Die Studienlage ist diesbezüglich ungenügend“, sagt Oesterreich. „Möglich positive Wirkungen besitzen Triclosan und ätherische Öle, die durchaus die Anhaftung von Bakterien auf der Zahnoberfläche beeinflussen können.“

Grundsätzlich empfehlen die Experten, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Zusätzlich sollten einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten gereinigt werden. „Mit der Zahnbürste werden nur 70 Prozent der Zahnoberfläche gereinigt“, erklärt Oesterreich. Er warnt zudem davor, die Zähne zu heftig zu putzen. „Leider wird oft mit zu hohem Putzdruck und falscher Technik mit scheuernder Bewegung geputzt“, sagt er. Dadurch werde der Zahnschmelz, insbesondere im Zahnhalsbereich, immer mehr abgerieben.

Einen Anhaltspunkt für den richtigen Putzdruck kann übrigens die Küchenwaage geben: Drücken Sie Ihre Zahnbürste mit 150 Gramm Gewicht auf die Waage. So stark dürfen Sie auch die Zähne putzen. Wer unsicher bezüglich der richtigen Putztechnik ist, kann dazu auch seinen Zahnarzt befragen.

Zahnseide

Gerade einmal zwei Zentimeter Zahn­seide verbraucht jeder Deutsche statistisch gesehen pro Jahr – deutlich weniger als etwa die Amerikaner. „Zahnseide wird noch nicht so intensiv genutzt, wie man sich das wünschen würde“, betont Dirk Kropp von der Initiative ProDente. Dabei sind die gewachsten oder naturbelassenen Kunststoff- oder Seiden­fäden bestens geeignet, um die Zahn­zwischenräume zu reinigen. Vor allem jüngere Menschen, bei denen die Zwischen­räume noch relativ eng sind, profitieren von Standardzahnseide, die es in praktischen Haltevorrichtungen zu kaufen gibt. Für Brückenkonstruktionen bietet der Handel spezielle Zahnseiden wie Superfloss oder Ultrafloss an. Diese haben ein stabiles Ende, das unter dem Zahnersatz hindurch geschoben werden kann und einen flauschigen Reinigungsbereich.

Mundwasser

Bei Lösungen zum Gurgeln unterscheiden die Experten zwischen Mundwasser und Mundspülung. Medizinische Mundspülungen enthalten antibakterielle Wirkstoffe wie Chlorhexidin und sollten nur in Absprache mit dem Zahnarzt eingesetzt werden. Die Präparate werden beispielsweise bei der Behandlung von Zahnbettentzündungen wie Parodontitis eingesetzt, sind allerdings gerade bei höheren Wirkstoffkonzentrationen nicht für den Dauergebrauch geeignet. Der wichtigste Wirkstoff bei frei verkäuflichen Mundspülungen sind in der Regel ätherische Öle. Diese sollen verhindern, dass sich nach dem Zähneputzen wieder Bakterien auf der gereinigten Zahnoberfläche ansiedeln. In einigen Fällen können auch die ätherischen Öle gegen Parodontitis wirken.

Zwischenzahnbürste

Um die Flächen zwischen den Zähnen zu reinigen, gibt es Zwischenzahn- oder Interdentalbürsten. Diese sehen aus wie kleine Flaschenbürsten und sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich. Bei einigen Produkten ist der Griff integriert, andere verfügen über einen Wechselgriff, in den immer neue Bürstchen ein­gespannt werden können. Interdentalbürsten sind etwa bei älteren Menschen sinnvoll, bei denen sich der Zahnfleischkegel zwischen den Zähnen zurückgezogen hat, sodass dort vermehrt Speise­reste hängen bleiben. Die Bürsten sollten dick genug sein, um alle Flächen zu erreichen, aber auch dünn genug, um Zahnhälse und Zahnfleisch nicht zu beschädigen.

Zahnbürste

Bei der Zahnpflege ist die Zahnbürste das Werkzeug erster Wahl. Statistisch verbraucht jeder Deutsche 1,8 Zahnbürsten pro Jahr. Ob man dabei eine klassische Handzahnbürste oder lieber eine elektrische Zahnbürste benutzt, ist Geschmackssache. Eine bessere Reinigungswirkung elektrischer Zahnbürsten konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Generell empfehlen Zahnärzte Kurzkopfbürsten mit weichen oder mittelharten Borsten zur Entfernung von Plaque. Wichtig ist, dass die Borsten keine scharfen Kanten haben, mit denen das Zahnfleisch verletzt werden könnte. Beim Zähneputzen sollte auch ein zu starkes „Schrubben“ der Zahnoberflächen vermieden werden. Nach dem Genuss von säurehaltigen Speisen oder Getränken sollte man zudem mindestens eine Stunde mit dem Putzen warten.

von Nicola Zellmer

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