Suche nach Nordseegas

Mit Schallkanonen gegen Schweinswale

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Schallkanonen stören nach Angaben von Naturschützern die Kommunikation der Schweinswale.

Borkum - Auf der Suche nach Nordseegas dröhnen Schallkanonen durch Meeresgebiete, in denen empfindliche Schweinswale leben. Naturschützer fordern ein Verbot der lautstarken Untersuchungen.

Lautstarke Schallkanonen in der niederländischen Nordsee haben Naturschützer in Deutschland alarmiert. Der Einsatz von dröhnenden Knallapparaten zur Erforschung von Gasvorkommen gefährde Schweinswale und Fische, kritisierte der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Gesucht wird in einem Gebiet in den Niederlanden, das direkt an das deutsche Schutzgebiet Borkum Riffgrund grenzt. Ein Spezialschiff war in den vergangenen Tagen im niederländisch-deutschen Grenzgebiet für seismische Untersuchungen der Firma Hansa Hydrocarbons unterwegs. In welchem Umfang dort bereits gemessen wird und wie weit der Schall in das Schutzgebiet reicht, ist unklar. Das Bundesumweltministerium beobachte die Forschungen „mit großer Aufmerksamkeit“, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Das Ministerium sei in Kontakt mit dem zuständigen niederländischen Behörden. Über Ergebnisse der Gespräche oder Auflagen von deutscher Seite wurde bisher nicht bekannt.

Schallkanonen stoßen für Untersuchungen der tiefen geologischen Schichten im Meeresboden explosionsartige Geräusche aus. Die 6000 Meter langen Schläuche der Knallapparate werden in einer Breite von 700 Metern hinter dem Spezialschiff hergezogen. Der vom Nordseegrund reflektierte Schall soll Hinweise auf Öl- und Gasvorräte geben. Für die BUND-Meeresschutzexpertin Nadja Ziebarth geht das bloße Interesse der deutschen Behörden nicht weit genug. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) müsse dringend mit ihren niederländischen Kollegen sprechen und ein Verbot von Schallkanonen in sensiblen Gebieten auf den Weg bringen, sagte sie. Derartige Untersuchungen dürften ihrer Ansicht nach eigentlich nach dem nationalen und europäischen Naturschutzrecht nicht genehmigt werden.

Auch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn teilt die Kritik. Dort schließen Experten Hörschäden für Schweinswale nicht aus. Die Untersuchungen könnten zudem erhebliche Folgen für große Teile des Meeresschutzgebietes haben. Die Schallkanonen seien mit bis zu 265 Dezibel 10 000 mal lauter als Düsenflugzeuge, sagte Ziebarth. Damit störten sie die Kommunikation der Schweinswale, die sich mit Klicklauten untereinander verständigen und damit auch ihre Beute aufspüren. Zudem brächten Schweinswale von Juni bis August ihre Jungen zur Welt und paarten sich direkt danach. In dieser empfindlichen Zeit sei der Lärm eine enorme Belastung für die Tiere, sagte die Meeresschutzexpertin.

dpa

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