Kiefernholznematode

Der Schrecken der Kiefernwälder

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Foto: Der Kiefernholznematode.

Braunschweig - Ein ein Millimeter großer Fadenwurm bedroht die Kiefernwälder Europas. In Braunschweig diskutieren in dieser Woche Wissenschaftler aus aller Welt darüber, wie der Schädling gestoppt werden kann.

Im Kampf gegen einen gefährlichen Fadenwurm versammeln sich Waldschutzexperten aus 22 Ländern in dieser Woche in Braunschweig. Der sogenannte Kiefernholznematode wütet bereits seit mehr als zehn Jahren in Portugal. Nach Ansicht von Forstwissenschaftler Thomas Schröder vom Braunschweiger Julius-Kühn- Institut sind auch deutsche Kiefern in Gefahr. Frage: Waldschützer sind in heller Aufregung wegen eines kleinen Wurms. Was macht den Kiefernfadenwurm so gefährlich? Antwort: Dieser Fadenwurm wurde mit Hölzern und Verpackungsholz in verschiedenste Länder verschleppt und ist seit vielen Jahren im internationalen Handel ein Problem.

Er ist einer der gefährlichsten Schadorganismen an Kiefern. Von daher gibt es weltweit großes Interesse, die Biologie und die Lebensweise des Organismus zu erforschen und sich über seine Bekämpfung Gedanken zu machen. Frage: Wie passiert genau bei einem Befall? Antwort: Der Fadenwurm an sich ist nicht in der Lage, von einem Baum zum anderen zu kommen - dazu braucht er einen Vektorkäfer. Er krabbelt in die Atmungsorgane und unter die Flügeldecken des Käfers. Wenn der Käfer dann an einen gesunden Baum fliegt, krabbelt der Wurm in den Baum und verbreitet sich schnell über seine Wasserleitungsbahnen. Der Baum unterbricht an bestimmten Stellen die Wasserzufuhr, um den Eindringling abzukapseln.

Da der Baum so stark überreagiert, gräbt er sich selbst das Wasser ab und vertrocknet. Frage: Und wie groß ist das Problem? Antwort: Japan kämpft seit Anfang des 20. Jahrhunderts damit. Obwohl sie viel Erfahrung haben und ein vergleichsweise kleines Land sind, gehen immer noch eine Million Kubikmeter Schadholz jedes Jahr auf das Konto dieses Nematoden. Auch in Korea, China und Taiwan sterben Bäume. In den USA und Kanada haben sich Nematode und Wirtsbäume im Laufe der Evolution aneinander angepasst. Wenn sie aber eine europäische Kiefer dorthin pflanzen, stirbt sie ab. Frage: In Europa wütet der Wurm bisher nur in Portugal, auch weil er sich nur bei hohen Temperaturen ausbreitet.

Wie bedroht sind deutsche Bäume? Antwort: Unsere heimische Kiefer gehört zu den anfälligeren Sorten. Rein von den klimatischen Bedingungen und der Kiefernwaldverteilung wäre das Dreiländereck Brandenburg/Sachsen/Sachsen-Anhalt und der Rheingraben im Süden ein prädestiniertes Gebiet. Wir müssen uns Gedanken machen, was uns bei dem prognostizierten Klimawandel in Zukunft möglicherweise erwartet. Frage: Wieso vernichtet man den Wurm nicht mit der chemischen Keule? Antwort: Die Nematoden befinden sich auch im Kernholz des Baumes, da kriegen sie die Mittel nicht rein. Und großflächig ganze Wälder mit Insektiziden bespritzen, ist rein ökologisch schlicht und ergreifend nicht umsetzbar.

Gegen die Einschleppung gibt es Quarantäne-Regelungen auf EU-Ebene für Holzprodukte, insbesondere Verpackungsholz. Zudem gibt es gezielte Routinekontrollen. Das machen wir in Deutschland mit gut tausend Proben jedes Jahr. Frage: Können wir unseren Bäumen beibringen, sich an die Schädlinge zu gewöhnen? Antwort: Unsere portugiesischen Kollegen beginnen in einem EU-Projekt, das genetische Potenzial von überlebenden Bäumen zu entschlüsseln und in Züchtungsprozessen zu nutzen. Nur beim Alter einer Kiefer von 120 Jahren in einem Wirtschaftswald ist das eine recht zeitintensive Sache. Aber der Ansatz ist richtig.

Der Kiefernfadenwurm

Seitdem der Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus) aus seiner nordamerikanischen Heimat Anfang des 20. Jahrhunderts nach Fernost verschleppt worden ist, vernichtet der mit bloßem Auge nicht sichtbare Schädling in Japan, China, Korea und Taiwan ganze Kiefernwälder. In Portugal wurde der Wurm 1999 erstmals gesichtet. Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad vermehren sich die Schädlinge rasant. Die Bäume bilden Symptome der Kiefernwelke aus und sterben ab. Allerdings ist auch bei geringen Temperaturen ein Befall möglich. In Deutschland wurden die Schädlinge noch nicht entdeckt. dpa

dpa

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