Herzerkrankung

Selbst die alten Ägypter litten an Arterienverkalkung

- Bereits die alten Ägypter sind an der häufig als moderne Zivilisationskrankheit bezeichneten Arterienverkalkung erkrankt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Herzspezialisten, die Dutzende Mumien mit Scannern untersucht hatten.

Fitnesstraining und eine weniger kalorienreiche Kost hätten das Leben der vor rund 3500 Jahren gestorbenen ägyptischen Prinzessin Ahmose-Merit-Amun möglicherweise deutlich verlängert. Die Tochter von Pharao Seqenenre Tao II. litt an Gefäßverkalkung und starb mit Mitte 40 vermutlich nach einem Herzinfarkt infolge einer Arterienverstopfung. Die Prinzessin war damit keine Ausnahme: Arterienverkalkung stellten amerikanische und ägyptische Forscher bei rund der Hälfte von 52 Mumien fest, die sie im Ägyptischen Museum in Kairo mit Hilfe von Computertomographien untersuchten.

Die Mumie der Pharaonentochter gilt als Beweis für die bislang älteste nachgewiesene Herzkrankheit. Aufnahmen der Herzkranzarterien der Prinzessin präsentierten die Forscher jetzt auf der 10. Internationalen Konferenz für Herz- und Gefäßdiagnostik in Amsterdam (ICNC), die Mittwoch zu Ende geht. "Es ist schon bemerkenswert, wie viele Fälle von Atherosklerose wir dabei entdeckt haben", sagte Gregory S. Thomas, Direktor der Abteilung Nuclear Cardiology Education an der University of California, einer der Co-Autoren der Studie. "Wir dachten an Arterienverkalkung als eine Krankheit des modernen Lebensstils, aber es ist klar, dass sie schon vor 3500 Jahren existierte." Mögliche Ursachen der bei der Pharaonentochter diagnostizierten Verkalkung sehen die Wissenschaftler in der Ernährung.

Die um 1580 vor Christus in einem Tempel beigesetzte Frau habe zur Elite gehört, die sich täglich kalorienreiche Kost, vor allem Fleisch, leisten konnte. Zudem habe sie sich vermutlich weniger stark bewegen und körperlich betätigen müssen als der ägyptische Durchschnittsmensch. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Prinzessin sich beim Schlemmen zurückhielt und körperlich durchaus aktiv war, räumten Gregory S. Thomas und Adel Allam ein, der ägyptische Co-Autor von der Al Azhar University in Kairo. Es könnten vor Jahrtausenden - ebenso wie heute - bislang nicht erforschte Risikofaktoren bei der Entstehung von Atherosklerose eine Rolle gespielt haben. Denkbar wären unter anderem entzündliche Prozesse, die durch Parasiten ausgelöst wurden, deren Spuren häufig in ägyptischen Mumien nachgewiesen worden seien. Auch eine genetische Veranlagung zur Fettansammlung in den Gefäßen könne eine Rolle gespielt haben. In jedem Fall hätte man das Leben der Prinzessin heutzutage durch einen zweifachen Bypass zur Überbrückung der verengten Herzkranzgefäße verlängern können, so die Wissenschaftler.

Über ihre Studie "Atherosclerosis in Ancient Egyptian Mummies", die sie jetzt am Beispiel der Prinzessin in Amsterdam vorstellten, hatten die Forscher bereits im April 2011 im Fachmagazin "Journal of the American College of Cardiology (JACC)" berichtet.

dpa

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