Vom Aussterben bedroht

Staudamm-Projekt am Mekong gefährdet Riesenwelse

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Um die Mekong-Riesenwelse nicht zu gefährden, wird ein Baustopp des Staudammprojekts gefordert.

Bangkok - Als „Mutter aller Flüsse“ verehren die Anwohner den Mekong. Nun gefährdet ein Staudammprojekt die einzigartigen Riesenfische, die in dem Fluss leben. Zum Laichen schwimmen sie weite Strecken, die geplanten Dämme sind für die Fische unpassierbar, so Naturschützer.

Er ist ein Gigant unter den Süßwasserfischen: Der Mekong-Riesenwels kann bis zu drei Meter lang und 300 Kilogramm schwer werden. Doch nun gefährdet ein Staudammprojekt die Existenz des vom Aussterben bedrohten Süßwasserriesen. Es dürfte der Todesstoß sein. Längst hat Laos mit den Bauarbeiten für den Xayaburi-Damm begonnen. Doch flussabwärts in Kambodscha und Vietnam sorgen sich die Menschen um den einzigartigen Riesenwels, der nur im Mekong vorkommt. Sie fordern einen Baustopp.

Das 2,6-Milliarden-Euro-Projekt drohe, unpassierbare Barrieren für den großen Fisch zu schaffen, sagen Naturschützer. Denn auf seinem Weg von einem See in Kambodscha bis zu seinem Laichplatz in Nordthailand wandert der Riesenwels den Mekong Hunderte Kilometer flussaufwärts - vorbei an der Provinz Xayaburi in Laos, wo die Staudämme bis 2019 entstehen sollen. Kämen sie, wäre sein Fortpflanzungszyklus gestört und damit das Ende des Mekong-Riesenwelses (Pangasianodon gigas) besiegelt.

In den vergangenen 50 Jahren ist die Population der Riesenwelse in der „Mutter aller Flüsse“, wie der Mekong von den Menschen in der Region liebevoll genannt wird, um 90 Prozent eingebrochen, sagt Zeg Hogan von der Universität von Nevada in den USA. „Dämme wie der in Xayaburi gefährden den Mekong-Riesenwels so sehr wie kaum einen anderen Fisch.“

Erst sollte eine sogenannte Fischleiter die Wanderung der Tiere ermöglichen. Dabei werden am Rande der Staudämme Wasserbecken in Treppenform angelegt, damit die Fische den Höhenunterschied stückweise überwinden können. „Die Riesenwelse brauchen aber tiefes Wasser“, sagt Naruepon Sukumasavin von Thailands Fischereibehörde. „Es wird den Welsen unmöglich sein, die Stelle so zu überwinden.“

Die Behörden in Laos reagierten auf die Kritik und änderten das Design. „Viele Experten haben uns gesagt, dass Riesenwelse sich am Flussgrund fortbewegen“, sagt der Vize-Energieminister, Viraphonh Viravong. Daher sei ein sogenannter Fischlift entwickelt worden. Dabei sollen die Fische in ein Wasserbecken schwimmen, das - wie ein Fahrstuhl - aufwärts fährt, dort die Fische ausgekippt und wieder nach unten zurückkehrt, um die nächsten Fische zu befördern.

Zufrieden sind die Naturschützer aber nicht. „Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird“, sagt Naruepon. „Es ist anders als bei den Lachsen, die zu Tausenden unterwegs sind“, sagt er. „Riesenwelse sind alleine unterwegs, höchstens zu zweit. Und wie sollen sie überhaupt in den Lift gelenkt werden?“

Das Migrationsverhalten der Riesenwelse birgt auch für Experten noch immer Rätsel. Doch sie sind sich einig, dass diese Fischart besonders anfällig für Veränderungen in ihrer natürlichen Umgebung ist. Das macht die Überlebensfrage der Riesenwelse zu einer Art Lackmustest für die anderen Fische im Mekong. Der rund 4800 Kilometer lange Fluss ist das größte Binnen-Fischereigewässer weltweit. Jährlich gehen dort rund 2,5 Millionen Tonnen Fisch ins Netz, das entspricht einem Wert von etwa 2,7 Milliarden Euro.

„Die wahre Gefahr ist, dass, wenn es um das Aussterben der Arten geht, der Riesenwels nur die Spitze des Eisbergs ist und dass die Populationen vieler anderer Arten (...) schrumpfen werden, wenn immer mehr Staudämme am Mekong gebaut werden“, sagt Hogan.

dpa

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