Aus Zähnen gelesen

Steinzeit-Männer waren Höhlenhocker

- Höhlenhocker und Abenteurerin? Bei den Vormenschen verließen vermutlich die Frauen ihren Geburtsort, während Männner ihr Leben sesshaft verbrachten - als Höhlenhocker sozusagen.

Bei den frühen Vorfahren des Menschen zogen vermutlich die Frauen hinaus in die Welt, während die Männer ihr Leben in unmittelbarer Umgebung ihres Geburtsortes verbrachten. Das haben Forscher aus dem Zahnschmelz jahrmillionenalter fossiler Zähnen gelesen. Ein ähnliches Muster finde sich bei Schimpansen und Bonobos, nicht aber bei Gorillas und vielen anderen Primaten. Die Ergebnisse erweiterten die Kentnisse darüber, wie unsere Verwandten vor rund zwei Millionen Jahren zusammen gelebt haben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

Sandi Copeland vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und ihre Mitarbeiter hatten insgesamt 19 fossile Zähne untersucht, die in zwei Höhlen in Südafrika gefunden worden waren. 11 Zähne gehörten zu Angehörigen der Art Paranthropus robustus, acht zu Frühmenschen der Art Australopithecus africanus. Beide Arten werden zu den Australopithecinen gerechnet, aus denen nach heutigem Wissen auch die Gattung Homo und damit der moderne Mensch hervorgegangen ist. Die Zähne sind etwa 2,4 bis 1,7 Millionen Jahre alt.

Die Forscher ermittelten die Strontium-Isotop-Signatur im Zahnschmelz der Fundstücke. Strontium ist ein natürlich vorkommendes Element, das sich im Gestein und Erdboden findet. Unterschiedliche Gesteinsarten und geologische Regionen zeichnen sich durch unterschiedliche Strontium-Signaturen aus. Pflanzen und Tiere einer Region nehmen diese Signatur auf. Mit der Nahrung gelangt das Strontium dann auch in den Menschen und wird bei der Aushärtung des menschlichen Zahnschmelzes fixiert. Dies passierte bei den Frühmenschen etwa im Alter von acht Jahren.

Männer blieben wegen des Nahrungsangebots

Die Forscher um Copeland fanden nun, dass die meisten Zähne der größeren - und somit vermutlich männlichen - Individuen aus den beiden Höhlen die Strontium-Isotopen-Signatur des dort vorkommenden Dolomitgesteins aufwies. Die meisten Zähne der kleineren - und damit weiblichen - Individuen hingegen wiesen eine ortsfremde Signatur auf. Der Mindestabstand zur nächsten Region mit einer anderen Signatur betrage zwei bsi drei Kilometer in südöstlicher und fünf bis sechs Kilometer in nordwestlicher Richtung, schreiben die Forscher.

Zumindest diese Entfernung müssten die weiblichen Vertreter dann also als Heranwachsende zurückgelegt haben, um sich einer anderen Gruppe und einem männlichen Partner anzuschließen. Die Männer blieben womöglich in ihrer Heimat, weil sie das Dolomitgestein mit den darin zahlreich vorhandenen Höhlen und das dortige Nahrungsangebot bevorzugten.

dpa

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