Unterricht mit neuen Medien

Tablet statt Kreide

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Viele Schulen in Niedersachsen setzen Tablets im Unterricht ein.

Hannover - Federmappe und Kreide könnten bald ausgedient haben. An den Schulen in Niedersachsen hält die digitale Welt Einzug. Für ein Pilotprojekt arbeiten Schüler jetzt mit Tablet-PCs. Es herrscht eine Art digitale Aufbruchstimmung – aber es gibt auch kritische Stimmen.

Schwere Schulranzen, quietschende Kreide und kaum lesbare Lehrerschrift könnten bald der Vergangenheit angehören. Immer mehr Schulen in Niedersachsen sind mit digitalen Tafeln und Notebooks ausgestattet oder arbeiten sogar schon mit mobilen Tablet-PCs. Für ein Pilotprojekt lernen Schüler an landesweit 20 Schulen künftig mit diesen kleinen Computern, einer Mischung aus Smartphone und Notebook. Sie könnten langfristig Schulbücher, Schreibheft und Tafel ersetzen.

„Dabei geht es nicht um die beeindruckenden technischen Möglichkeiten der neuen Hardware, sondern um die Verbesserung von Unterrichtsqualität“, sagt der Projektleiter beim federführenden Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, Steffen Schwabe. Vom kommenden Schuljahr an sollen die Tablet-PCs drei Jahre lang getestet werden. “2015 gucken wir uns die Ergebnisse an“, sagt Schwabe. Die Nutzung digitaler Medien sei an den Schulen in Niedersachsen immer mehr im Kommen.

In der Landeshauptstadt Hannover sagt Stadtsprecher Andreas Möser, dass interaktive Tafeln, sogenannte Smartboards, und Laptops vielerorts schon Standard seien. „Digitale Medien spielen in den Schulen eine wichtige Rolle, die sicherlich noch zunehmend wird“, meint Möser. In Göttingen sind sogar schon Grundschulen mit Notebooks ausgestattet.

Bei dem Projekt des Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung geht es um Fragen, wie Tablet-Computer Lernprozesse unterstützen können oder welche Möglichkeiten die Nutzung von Facebook oder Weblogs etwa zur Demokratieerziehung bietet. Auch mit Cybermobbing und Datenschutz beschäftigen sich die Schüler und Lehrer.

Für den niedersächsischen Landeselternrat zeigt sich deswegen auch, dass die Schulen sich jenseits des klassischen Fächerkanons stark um die Medienerziehung kümmern müssen. „Tablet-PCs als Schulbuchersatz sind genial. Aber Aufsätze per Hand zu schreiben, finde ich nach wie vor richtig“, sagt die Elternratsvorsitzende Sabine Hohagen aus Ihlow in Ostfriesland.

Werden digitale Medien an Schulen überschätzt?

Doch die totale Digitalisierung der Klassenzimmer steckt noch in den Kinderschuhen. Das hat einerseits finanzielle Gründe, denn ein Tablet ist nicht gerade günstig. Das Tablet-Projekt des Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung ist denn auch elternfinanziert. Die Mini-Computer werden in Raten abbezahlt, einkommensschwache Eltern erhalten Unterstützung. „Aber Schulbücher kosten ja auch um die 60 Euro im Jahr“, sagt Elternvertreterin Sabine Hohagen.

Schulbuchverlage sehen die Entwicklung weniger euphorisch, meint Florian Sochatzky vom Institut für digitales Lernen der Universität Eichstätt-Ingolstadt. „Wenn ein Schulbuchverlag gerade eine neue Druckerei eingerichtet hat, spielen natürlich auch finanzielle Überlegungen eine Rolle.“

Kritisch ist man auch beim Deutschen Lehrerverband. „An allgemeinbildenden Schulen werden digitale Medien überschätzt“, meint Präsident Josef Kraus. „Mir kann niemand erklären, warum Schultafeln und Bücher abgeschafft werden sollten.“ Kritischer und praktischer Umgang mit neuen Medien sei wichtig, aber dazu müsse nicht jedes Klassenzimmer mit Computern ausgerüstet sein. Kraus spricht sogar schon von Enttäuschungen, einige Schulen würden wieder zum klassischen Unterricht zurückkehren.

Roland Neßler vom Philologenverband Niedersachsen hält zudem eine hinreichende Ausbildung der Lehrer selbst für unerlässlich. „Die Lehrer müssen sich heute mit Inklusion auskennen, mit digitalen Medien: Da frage ich, wann bleibt Zeit für das eigentliche Fach?“

Und die Schüler selbst? „Wir begrüßen die Entwicklung“, heißt es vom Vorsitzenden des Landesschülerrates in Niedersachsen, Keven Knipping. Selbstverständlich müsse neben Whiteboard, Laptop und Tablet-PC aber weiterhin auch die gute alte Tafel zum Zuge kommen.

dpa

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