Homöopathie

Tierärzte setzen bei Hunden und Katzen verstärkt auf Naturmedizin

- Naturmedizin wird nicht nur bei Menschen angewandt, sondern immer öfter auch bei Tieren. Ob homöopathische Mittel Vierbeinern helfen, ist jedoch umstritten. Auf keinen Fall sollten Tierbesitzer Hunde oder Katzen selbst mit Globuli behandeln.

Die Katze ist verschnupft? Ein Globuli hilft bestimmt. Dem Hund wird beim Autofahren immer schlecht? Auch da können ein paar Tropfen im Trinknapf Wunder wirken. So denken Tierhalter, die auf die Homöopathie schwören. Sie vertrauen nicht nur bei menschlichen Beschwerden auf die Wirkung der stark verdünnten Stoffe, sondern halten sie auch für Vierbeiner geeignet. Alles Quatsch, sagen Kritiker: Was kranke Tiere gesund macht, seien weniger die sagenumwobenen Kügelchen, sondern die Zuwendung durch Herrchen oder den Tierarzt.

Studien haben gezeigt, dass auch Tiere - wie Menschen - auf Placebos ansprechen. „Da gibt es Tonnen von Beweisen zu, dass Scheinmedikamente wirken“, sagt Wolfgang Löscher, Direktor des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Schon das Verabreichen von Mitteln und das Festhalten habe einen Effekt auf Tiere. Hunde und Katzen hätten meist Angst vor dem Tierarzt - deshalb knüpften die Tiere ihr Verhalten an das von Herrchen oder Frauchen. Gehen diese vertrauensvoll mit dem Tierarzt um, reagiert darauf auch das Tier.

Dass der Faktor Zuwendung eine große Rolle spielt, glaubt auch die Tierärztin Heidi Kübler aus Obersulm-Willsbach bei Heilbronn. Trotzdem kennt sie viele Krankheitsbilder, die sich erfolgreich mit Globuli behandeln lassen. “Übelkeit und Erbrechen beim Autofahren, allergische Reaktionen auf Pflanzen oder Nahrungsmittel sowie Durchfälle nach ungeeignetem Futter“, nennt sie als Beispiele. Überängstliche Katzen therapiert sie mit Bachblüten.

Globuli sind kleine Streukügelchen aus Rohrzucker. Die darin enthaltenen Substanzen basieren auf natürlichen Stoffen, die extrem verdünnt werden. Zur Therapie werden die Globuli direkt ins Maul gegeben. Alternativ wird das Mittel in Tropfenform dem Trinkwasser zugefügt oder intravenös gespritzt.

Diese Art der Behandlung hat Grenzen: „Ein gebrochenes Bein habe ich durch Homöopathie allein noch nie wieder zusammengeflickt“, sagt Kübler, die Vorsitzende der Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin (GGTM) ist. Auch wenn Nerven durchtrennt oder Gewebe beschädigt ist, kann die Naturmedizin das nicht mehr heilen.

Wer sein Haustier homöopathisch behandeln lassen möchte, hat es bei der Auswahl eines passenden Ärzte nicht leicht. Denn „Homöopath“ ist kein geschützter Beruf. „Das kann sich jeder Tierarzt hinschreiben“, sagt Stefan Wesselmann, Tierarzt in Wallhausen (Baden-Württemberg). Er ist auf Homöopathie spezialisiert und bildet auch andere Tierärzte auf diesem Gebiet aus. Eine Möglichkeit sei, auf der GGTM-Homepage nachzuschlagen. Dort findet sich eine Liste von Tierärzten, die Zusatzausbildungen in verschiedenen Fachgebieten absolviert haben.

Wesselmann hat sich auf Schweine und Geflügel spezialisiert und beispielsweise Mastputen, die an Bewegungsschmerzen litten, homöopathisch behandelt. Dazu mischte er eine alkoholische Lösung aus Arnika und Beinwell dem Trinkwasser bei. „Am nächsten Tag konnte man schon eine Besserung beobachten.“ Anhaltspunkte dafür waren, wie die Tiere sich verhalten und wie viel sie gefressen und getrunken haben.

Die Homöopathie sei dazu da, die körpereigene Selbstregulation zu unterstützen, nicht gegen die Erreger zu wirken, erläutert Wesselmann. Er legt Wert auf eine Kombination von Naturheilverfahren und Schulmedizin: „Wenn ein Bestand massiv erkrankt ist, wende ich die Therapie an, die am schnellsten hilft.“ Grundsätzlich sprächen aber alle Tierarten auf Homöopathie an, ob Koikarpfen oder Meerschweinchen.

Der große Vorteil der Homöopathie: „Es gibt so gut wie keine Nebenwirkungen“, sagt Wesselmann. Der große Nachteil: „Therapien können verschleppt werden.“ Deshalb rät auch Heidi Kübler Tierhaltern: „Lassen Sie alle unklaren Beschwerden vorher durch eine Untersuchung des Blutes abklären.“ Auch von eigenmächtiger Medikation durch die Besitzer des Tiers hält sie nichts.

Als Faustregel gilt: Wenn sich das Befinden innerhalb weniger Tage nicht verbessert, sollte das Tier zum Arzt. Denn vielleicht steckt eine Krankheit dahinter, die sich nicht mit Globuli behandeln lässt. „Erbricht sich das Tier, hängt nur in der Ecke rum oder lässt sich nicht anfassen, sind das Alarmzeichen“, erklärt Kübler.

Das Problem bei homöopathischen Verfahren ist, dass aussagekräftige Studien fehlen. Ob es dem Tier besser geht oder nicht, ist manchmal einfach Ansichtssache des Besitzers: „Und der wird alles dahingehend interpretieren, dass es ihm besser geht“, glaubt Wolfgang Löscher. Zudem gebe es den Effekt der Spontanheilung:

Das heißt, die Erkrankung wäre auch von selbst abgeklungen - ob mit oder ohne Globuli. Einig sind sich Schulmediziner und Naturheilkundler in einem:Nicht immer ist das Tier der Patient. Ein großer Teil der Behandlung bestehe darin, „die Tierbesitzer zu therapieren“, sagt Wesselmann.

dpa

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