Friedhof auf dem Uni-Campus

Totenschädel für Forschung in Göttingen aufgesägt

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Foto: Aufgesägte Schädel, abgetrennte Gliedmaßen: In Göttingen wurden im 19. Jahrhundert Leichen zur Forschung benutzt.

Göttingen - Eine überraschende Entdeckung haben Forscher bei der Ausgrabung eines historischen Friedhofes mit 146 Gräbern auf dem Campus der Universität Göttingen gemacht. Viele der zwischen 1851 und 1889 beigesetzten Gestorbenen waren nach ihrem Tod anatomisch untersucht worden. In 32 Fällen fanden die Archäologen aufgesägte Schädel oder abgetrennte Gliedmaßen.

Das teilte die Universität Göttingen am Dienstag mit. Im 19. Jahrhundert hätten die damaligen Wissenschaftler offensichtlich das Gehirn der Toten freilegen und von den Gliedmaßen sogenannte Scheibenpräparate anfertigen wollen.

"Die Funde werfen ein neues Licht auf die Medizingeschichte", sagte Göttingens Stadtarchäologin Betty Arndt. "Im 19. Jahrhundert waren die systematische Pathologie und Anatomie gerade erst im Entstehen begriffen". Experten verschiedener Fachrichtungen sollen die Funde jetzt weiter untersuchen.

Auf dem alten Friedhof der katholischen Michaelis-Gemeinde waren Menschen verschiedenen Alters bestattet worden, vom Neugeborenen bis zum Greis. Die Archäologen entdeckten in den Gräbern diverse Beigaben, darunter Rosenkränze, Kruzifixe und Heiligenbildnisse.

Außerdem befanden sich in den Gräbern zahlreiche persönliche Gegenstände, unter anderem Zahnprothesen, Schmuck und Porzellanpüppchen als Grabbeigabe für Kinder. Zudem wurden Kleidungsbestandteile der Toten, wie Hauben, Gürtel und Knöpfe, geborgen.

Nach Abschluss der wissenschaftlichen Auswertung sollen die Toten wieder beigesetzt werden.

dpa

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