Max-Planck-Institut Göttingen

Überraschung im Weltall

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Foto: Alles anders: Holger Sierks zeigt das Modell – tatsächlich besteht der Komet aber aus zwei Teilen.

Göttingen - Für diese Reise brauchen Wissenschaftler einen langen Atem: Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen verfolgen den Flug der Raumsonde „Rosetta“, die seit zehn Jahren auf dem Weg zu dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko ist.

Jetzt aber erst, am 6. August, soll die Sonde in eine Umlaufbahn um den Himmelskörper einschwenken und diesen ein Jahr lang auf seinem Weg um die Sonne begleiten. Für November ist sogar eine Landung auf dem Kometen geplant – eine Premiere in der Geschichte der Raumfahrt.

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung spielt bei der spektakulären Mission eine zentrale Rolle. Es hat nicht nur wichtige Teile der Landeeinheit entwickelt, sondern hat auch von allen beteiligten Forschungseinrichtungen weltweit den größten Anteil an den wissenschaftlichen Experimenten.

Unter anderem hat es das Kamerasystem Osiris beigesteuert, das mit einer Weitwinkel- und einer Telekamera regelmäßig die Oberfläche des Kometen abfotografiert.„Wir schleichen uns langsam heran und sehen zurzeit auf den Nordpol“, sagt der Leiter des Osiris-Teams, Holger Sierks. Der Forscher steht derzeit unter Dauerstress: Jede Fotosequenz liefert neue Erkenntnisse über den Kometen, die das internationale Team schnell auswerten muss – jeden Tag gibt es mehrere Meetings, in denen sich die Forscher abstimmen. Für die Landung im November müssen sie auch noch die passende Stelle auf dem Kometen finden, der einen mittleren Durchmesser von vier Kilometern hat.

Die ersten Bilder zeigten noch einen flackernden Punkt im Weltraum. Mit jedem „Fotoshooting“ werden die Bilder schärfer. Anfang August ist „Rosetta“ nur noch 100 Kilometer vom Kometen entfernt. „Die Auflösung wird atemberaubend sein“, sagt Sierks.

Schon jetzt haben die Forscher anhand der Osiris-Aufnahmen viele neue Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel, dass der Komet alle 12,4 Stunden um sich selbst rotiert. Bislang war man davon ausgegangen, dass er etwas länger dafür braucht. Viel gravierender war allerdings eine Entdeckung, die die Forscher vor einigen Tagen machten: Sie stellten fest, dass der Komet offenbar aus zwei miteinander verbundenen Teilen zu bestehen scheint. Bisherige Modellrechnungen gingen eher von einer kartoffelartigen Form aus. Jetzt rätseln die Wissenschaftler, wie diese Form zustande gekommen ist.

Die Zweiteilung überraschte auch jene Forscher, die mit den Vorbereitungen zum Absetzen des Landegeräts beschäftigt sind. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt Reinhard Roll, Projektmanager der Landesonde „Philae“. Damit die Landung gelingt, müssen die Forscher auch die aktuellen Daten über die Bodenbeschaffenheit des Kometen in ihre Modellrechnungen einbeziehen.

Am morgigen Dienstag steht der nächste wichtige Test an: Gemeinsam mit Ingenieuren des Deutschen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen will Roll die Harpunentechnik testen, die sich die Max-Planck-Forscher ausgedacht haben. Bei der Landung sollen zwei Harpunen abgeschossen werden, die das Gerät auf dem Kometen fixieren – damit es nicht gleich wieder abhebt.

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