Space Shuttle

US-Raumfähre "Endeavour" fliegt zum letzten Mal ins All

- Es ist die Generalprobe fürs Abschiedsnehmen. Wenn am 29. April die US-Raumfähre "Endeavour" vor den Augen von Präsident Obama ins All abhebt, bleibt nur noch ein Space-Shuttle-Start übrig. In den USA macht sich Nostalgie breit.

Es gibt viele Gründe, den Start eines Space Shuttle zu verschieben - das musste die US-Raumfahrtbehörde Nasa schon häufig leidvoll erfahren. Eine königliche Hochzeit gehört aber nicht dazu. Und so wird am 29. April nicht nur in London mit der Trauung von Kate und William Geschichte geschrieben, sondern auch auf der anderen Seite des Atlantiks mit dem letzten Flug der "Endeavour". Um 21.47 Uhr deutscher Zeit läutet die Nasa das Ende einer Ära ein. Dann wird "OV-105", die jüngste der insgesamt fünf US-Raumfähren, zu ihrer letzten Mission aufbrechen. Es ist quasi die Generalprobe für die Abschiedsvorstellung des gesamten Shuttle-Programms.

Nur zwei Monate danach fällt mit dem Flug der "Atlantis" endgültig der Vorhang. "Hochzeitszwänge habe ich noch nicht in unsere Planungstabellen aufgenommen", sagte Nasa-Topmanager Bill Gerstenmaier schon fast entschuldigend, als er den Starttermin verkündete. Ein Mangel an öffentlicher Aufmerksamkeit muss die Behörde trotzdem nicht fürchten. Denn bei Raumfahrtfans in aller Welt macht sich Nostalgie breit, weil das Ende für die Raumfahrt-Prunkstücke plötzlich unwirklich nah ist. Sie wollen sich die beiden letzten Gelegenheiten nicht entgehen lassen, das gewaltige Schauspiel zu bewundern, wenn die Kolosse mit einem riesigen Feuerschweif in den Himmel donnern. Wer kann, kommt persönlich zum Weltraumbahnhof in Cape Canaveral (Florida) - die Nasa erwartet Zehntausende Besucher. Prominentester Gast wird US-Präsident Barack Obama sein. Er hat sich mit Ehefrau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia angesagt. Breites Medieninteresse ist auch deshalb sicher, weil die Ehefrau des Shuttle-Kommandanten Mark Kelly auf der Tribüne sitzen will.

Die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords war bei einem Attentat im Januar durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt worden. Wenn sie dem Abflug ihrer Gatten in Cape Canaveral beiwohnt, könnte die Öffentlichkeit sie erstmals seit dem Anschlag zu Gesicht bekommen. Doch auch die 134. Shuttle-Mission selbst dürfte von sich Reden machen. Die sechsköpfige Crew - allesamt Männer - schafft einen zwei Milliarden Dollar (1,37 Mrd Euro) teuren Teilchendetektor zur Internationalen Raumstation ISS. Das Alpha Magnetic Spectrometer-2 soll die Zusammensetzung kosmischer Höhenstrahlung vermessen - und helfen, Antimaterie, dunkle Materie und die sogenannte seltsame Materie zu finden. Das 6,8 Tonnen schwere Gerät könnte den Traum wahr machen, mehr über den Urknall zu erfahren, hofft die Nasa. 600 Experten in 16 Ländern hätten es entwickelt und dabei 600 Mikroprozessoren verbaut. Bis 2020, dem Ende der ISS-Lebensdauer, soll es im Einsatz sein. Für die Mannschaft werden die zwei Wochen im All arbeitsreich sein. Viermal steigen die Männer in die Schwerelosigkeit aus, um die ISS auf Vordermann zu bringen.

Die Liste der Reparaturen und Installationen ist lang wie selten - mit gutem Grund: Ihr abschließender Außeneinsatz am 9. Mai wird der letzte für Astronauten eines Nasa-Shuttles sein. Für den "Atlantis"-Flug ist keiner mehr geplant. Die Behörde rechnet wegen der Aufgabenfülle schon damit, die Mission von geplanten 14 auf 16 Tage verlängern zu müssen. Nach ihrer Rückkehr von ihrem 25. Flug im Mai macht die Nasa die "Endeavour" dann reif fürs Museum. Nachdem die Raumfähre mehr als 166 Millionen Kilometer im All unterwegs war und rund 4500 Mal die Erde umrundete, wird sie ihren Ruhestand im Wissenschaftszentrum in Los Angeles fristen. Vom kommenden Jahr an wird sie ausgestellt. Touristen werden dort auf Erklärungstafeln lesen können, dass die Raumfähre mit 37,4 Metern Länge und 109 Tonnen Startgewicht als der Kleinwagen unter den US-Raumfähren galt. Dass ihr Jungfernflug im Mai 1992 eine Rettungsmission war, in der ein Nachrichtensatellit eingefangen und in die richtige Umlaufbahn gelenkt wurde. Und dass ihr wichtigster Einsatz sie 1993 zum Weltraumteleskop "Hubble" führte, wo Astronauten in nervenzerrender Kleinarbeit dafür sorgten, dass es wieder scharfe Bilder liefern kann. Aber all das wird dann nur noch ferne Raumfahrtgeschichte sein.

dpa

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