Ungesunder Lärm

Vielen Jugendlichen droht später Hörgerät

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Foto: Bei Konzerten, in Klubs oder mit MP3-Playern wird zu häufig laute Musik gehört.

Berlin - „Ruhig bleiben?“ – unter diesem Motto steht der diesjährige Tag gegen Lärm. Nach Meinung der Veranstalter wird noch viel zu wenig gegen die tägliche Geräuschkulisse getan, von der sich zahlreiche Menschen belästigt fühlen.

Viele Jugendliche haben bereits als Berufsanfänger kein intaktes Gehör mehr. „Ohne weitere Präventionsmaßnahmen wird ein Drittel der jungen Leute heutigen Erkenntnissen zufolge im Alter von 50 Jahren ein Hörgerät brauchen“, sagte der Sprecher der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) Joachim Förster am Dienstag in Berlin. Jungen Menschen seien die Lärmgefahren oft nicht bewusst. Bei Konzerten, in Klubs oder mit MP3-Playern werde zu häufig laute Musik gehört. An diesem Mittwoch, dem 16. Tag gegen Lärm, werben Verbände bundesweit für mehr Ruhe. Dem Umweltbundesamt zufolge nimmt die Lärmbelästigung in Deutschland zu. Experten kritisierten die unzureichende Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Lärmschutz.

„54 Prozent aller Deutschen fühlen sich durch Straßenverkehr belästigt“, sagte der Abteilungsleiter Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt, Uwe Brendle, mit Blick auf die jüngste Studie seiner Behörde zu diesem Thema. Demnach wird jeder dritte Deutsche nach eigenen Angaben vom Lärm des Schienenverkehrs gestört und jeder fünfte von dem der Flugzeuge. Daneben spiele auch die Geräuschkulisse der Nachbarn eine wichtige Rolle, von der sich 42 Prozent der Deutschen belästigt fühlten. „Der berühmte Laubbläser, der Rasenmäher und Feiern im Garten gehören dazu“, sagte Brendle. Außerdem störe Industrielärm etwa 32 Prozent der Deutschen.

Der Arbeitsring Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik (ALD) kritisierte die unzureichende Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Umgebungslärm in Deutschland. „Lärmaktionspläne sind nicht fristgerecht vorgelegt worden“, sagte ALD-Leiter Michael Jäcker-Cüppers. In München etwa gebe es bislang nur einen Entwurf, obwohl dieser bereits 2008 hätte beschlossen werden müssen. Selbst in ambitionierten Städten dauere die Umsetzung zu lange. In Berlin etwa sei die Zahl der stark vom Lärm belasteten Menschen seit 2008 nur von 340.000 auf 300.000 reduziert worden.

dpa

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