Kontrolle gefordert

Waschbär und Marderhund breiten sich rasant aus

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Foto: Der Waschbär bedroht viele einheimische Tierarten.

Berlin - Possierlich schaut er aus, aber der Waschbär will vielen einheimischen Tierarten ans Fell und an die Federn: Jäger und auch Tierschützer sehen in tierischen Einwanderern ein wachsendes Problem.

Eingewanderte Tierarten wie Waschbär, Marderhund und amerikanischer Nerz breiten sich in Deutschland immer weiter aus – mit negativen Folgen für heimische Arten. Das bestätigt die jüngste Wildtiererfassung in deutschen Jagdrevieren, die am Freitag auf dem Bundesjägertag in Pforzheim vorgestellt wurde. „Alle drei invasiven Tierarten haben bei uns keine natürlichen Feinde. Vor allem bodenbrütende Wasservögel sind gefährdet“, sagte Torsten Reinwald, Sprecher des Jagdschutzverbandes (Berlin). Aber auch Graureiher, Sumpfschildkröten und Uhus fielen den Räubern zum Opfer.

Die weitere Ausbreitung der tierischen Einwanderer sollte deshalb effektiv kontrolliert werden, fordern die Jäger. „Ein Verbot der Fallenjagd, wie von manchen Kreisen gefordert, wäre kontraproduktiv für den Naturschutz“, sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer.

Auch die Umweltorganisation WWF sieht heimische Tierarten wie Wasservögel, aber auch Hasen von den eingewanderten Allesfressern bedroht. „Stärkere Bejagung von Waschbär, Mink und Marderhund kann gefährdete Arten stützen. Aber damit allein wird man das Problem nicht los“, sagte WWF-Artenschutz-Experte Janosch Arnold. Um heimische Arten zu stärken oder wieder anzusiedeln - wie etwa den europäischen Nerz, der von seinem amerikanischen Verwandten (Mink) verdrängt wird - müsse auch die Landschaft weniger intensiv bewirtschaftet werden, so dass sie ausreichend Nahrung und Verstecke biete.

Dem Wildtier-Informationssystem (WILD) zufolge ist der Waschbär ausgehend von Hessen über Nordrhein-Westfalen mittlerweile auch in Brandenburg zu Hause, wo er sich besonders rasch verbreitet. Der aus Nordamerika stammende Kleinbär ist in Hessen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt inzwischen in zwei Dritteln aller Jagdreviere vertreten. Bei der WILD-Zählung 2005 waren es erst 45 Prozent.

Der Marderhund, der sich seit den 1990er Jahren von Russland aus nach Norddeutschland vorarbeitete, kommt in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt in drei Vierteln der Jagdreviere vor - ein Plus von 20 Prozent. Nur Staupe und Räude, mit denen er sich in einigen Gebieten erstmals ansteckte, verhinderten eine noch stärkere Verbreitung. Der amerikanische Nerz (Mink), der wie Marderhund und Waschbär aus Pelztierfarmen ausbrach, tummelt sich ebenfalls vor allem im Nordosten Deutschlands.

dpa

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