Luftblase

Wasserspinnen überleben mithilfe einer Taucherglocke

Berlin - Die Unterwasser-Atemkünstler: In Form einer Taucherglocke transportieren Wasserspinnen einen kleinen Sauerstoffvorrat stets mit sich herum - sogar ihren Eikokon nehmen die Spinnen mit in ihre Lufblase.

Im Gegensatz zu ihren Verwandten, die Netze in Büschen spinnen oder durch Kellergewölbe tingeln, lebt Argyroneta aquatica geradezu extravagant. Die „Silberspinne“ ist die einzige Spinnenart, die sich nahezu dauerhaft unter Wasser aufhalten kann. Ihre Netze spinnen die Tiere als seidige Kuppel zwischen die Halme von Wasserpflanzen. Diese Taucherglocken befüllen die Tiere dann mit Sauerstoff, den sie als Luftblase an den langen Silberhaaren ihres Hinterleibs hinab in das Netz tragen. In der Kuppel verbringt Argyroneta fast das ganze Leben – sogar ihren Eikokon nimmt sie mit in das seidige Gebäude.

Doch wie gelingt es dem Tier, stets genug Sauerstoff zur Verfügung zu halten? Wie oft muss es Sauerstoff von der Oberfläche holen? Roger Seymour von der australischen Universität Adelaide und Stefan Hetz vom Institut für Biologie der Humboldt-Universität Berlin haben diese Frage jetzt unter nahezu natürlichen Bedingungen untersucht. Mit einem Sonderantrag durften sie einige der streng geschützten Wasserspinnen aus dem Flüsschen Eider entnehmen und bauten ihnen im Labor einen mit Pflanzen bewachsenen Tümpel nach. Als Erschwernis gab es nicht mehr Sauerstoff als an einem heißen Sommertag.

Eine Glocke als physikalische Kieme

Mit speziellen Sonden, den Optoden, überprüften Seymour und Hetz den Sauerstoffgehalt im Unterwassernetz. „Die frühere Literatur hatte angenommen, dass die Spinnen während des Tages mindestens alle 20 bis 40 Minuten an die Oberfläche kommen müssen“, erklärt Seymour in der Fachzeitschrift „Journal of experimental Biology“, die die Ergebnisse der Tierphysiologen veröffentlicht hat. Deshalb waren die Forscher mehr als überrascht, dass ihre Wasserspinnen ausgezeichnet mit der vorhandenen Luft leben konnten. Sie nutzen die Glocke als physikalische Kieme. Selbst an einem warmen Tag diffundiert genug Sauerstoff aus dem Wasser in das Netz hinein.

Der Trick der Spinnen: Sie verhalten sich ganz ruhig, sodass ihr Sauerstoffverbrauch sinkt. „Es ist von Vorteil für die Spinnen, nur einmal am Tag an die Oberfläche zu kommen und damit den größten Teil der Zeit für Fressfeinde unauffällig in der Taucherglocke sitzen zu können“, erklären die Forscher. Nur einmal am Tag gehen die Spinnen Luft holen, um den Volumenverlust auszugleichen, der durch das Entweichen von Stickstoff entsteht.

Nicola Zellmer

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