Wissenschaft

Weiße Haie leben viel länger als angenommen

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Foto: Ein Weißer Hai schwimmt in San Francisco (USA) im Monterey Bay Aquarium.

Woods hole - Sie sind gefährliche Räuber der Meere, aber dennoch sind sie weltweit in ihrem Bestand gefährdet: Weiße Haie. Forscher fanden nun heraus, dass die Tiere langsamer wachsen und weit älter werden als bisher gedacht.

Weiße Haie können mehr als 70 Jahre alt werden und damit deutlich älter als bislang vermutet. Dies berichten Forscher im Fachjournal „PlOS ONE“, nachdem sie das Alter von acht bereits gestorbenen Tieren mit einem neuen Verfahren bestimmt hatten. Der „Opa“ unter den getesteten Tieren war demnach ein 73-jähriges männliches Tier, das älteste Weibchen war 40 Jahre alt. Ein genaues Wissen um Entwicklung und Lebenserwartung der Weißen Haie sei wichtig für den Schutz der weltweit in ihrem Bestand bedrohten Art, schreiben die Forscher um Li Ling Hamady von der Woods Hole Oceanographic Institution (Woods Hole/US-Staat Massachusetts).

Bei der Altersbestimmung von Fischen zählen Wissenschaftler in der Regel Wachstumsringe, die in mineralisiertem Gewebe wie Ohrsteinen, Wirbelknochen oder Flossenstrahlen nachzuweisen sind – ganz ähnlich wie die Jahresringe bei Bäumen. Allerdings ist die Methode bei Weißen Haien (Carcharodon carcharias) schwierig. Die Wirbelknochen sind dem Forscherteam zufolge zwar auch aus Schichten aufgebaut, die sich im Laufe des Lebens ablagern. Das hell-dunkle Bandmuster sei allerdings oft sehr eng und nur schlecht abgegrenzt. Außerdem sei umstritten, ob tatsächlich jedes Jahr ein Bandpaar abgelagert werde. Die ältesten, mit dieser Methode datierten Weißen Haie waren 22 und 23 Jahre alt.

Hamady und ihre Mitarbeiter wendeten nun ein neues Verfahren an: Sie bestimmten die eingelagerte Menge an Radiokohlenstoff im Gewebe der Tiere, genauer gesagt in den einzelnen Schichten der Hai-Wirbelknochen.

In den 1950er und 1960er Jahren war der Radiokohlenstoffgehalt der Atmosphäre und damit auch der Meere aufgrund von Tests mit Wasserstoffbomben merklich angestiegen. Damit gelangten auch mehr der radioaktiven 14C-Atome in das Gewebe der Tiere, was sich bis heute messen lässt. Außerdem zählten die Forscher die Wachstumsringe unter dem Mikroskop. Der Anstieg des Radiokarbons in einzelnen Ringen lässt sich nun als eine Art Anker nutzen, um auf das Alter der Tiere zu schließen.

Die Forscher untersuchten Haie, die zwischen 1967 und 2010 im Nordwestatlantik gefangen wurden. Mit einer Lebenserwartung von 70 Jahren oder mehr gehöre der Weiße Hai nun womöglich zu den langlebigsten Knorpelfischen überhaupt, schreiben die Forscher. Die Tiere leben zumeist in den gemäßigten und subtropischen Meeren, wandern aber lange Strecken und können in allen Ozeanen der Welt gefunden werden. Da sie langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden, sind sie besonders gefährdet – vor allem durch die Fischerei.

dpa

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