Neues System gegen Einbrecher

Wenn der Teppich Alarm schlägt

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Keine Chance für Diebe: Steigt ein Einbrecher in ein Haus ein, lösen Sensoren am Boden Alarm aus.

München - Einbrecher können oft ungestört ihrem kriminellen Gewerbe nachgehen, weil hochwertige Alarmanlagen Hauseigentümern oft zu teuer sind. Das Fraunhofer-Institut hat nun berührungsempfindlichen Fußboden zum Schutz gegen Einbrecher entwickelt.

Im vergangenen Jahr wurde nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention durch Einbrüche in der Urlaubszeit bundesweit ein Schaden von 39,4 Millionen Euro verursacht.

Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) könnte bald für Abhilfe sorgen: In Kooperation mit einem Industrieunternehmen wollen die Forscher den „CapFloor“ auf den Markt bringen – einen berührungsempfindlichen Fußboden, der wahrnimmt, wenn ein Mensch ihn betritt. Steigt ein Einbrecher in ein Haus ein, lösen Sensoren im Boden Alarm aus. Ein Patent auf den intelligenten Boden habe man bereits angemeldet, sagt Reiner Wichert vom FhG-Institut für Grafische Datenverarbeitung.

Drei Jahre lang wurde am Institut an der neuartigen Trittfläche geforscht. Sie meldet nicht nur Einbrecher – sie zeigt auch an, wenn eine Person längere Zeit auf ihm liegt, ohne sich zu rühren. Das kann für ältere und alleinstehende Menschen lebensrettend sein.

Betritt man den „CapFloor“, schaltet sich automatisch das Licht im Raum ein. Überquert ihn längere Zeit niemand, geht es aus und die Heizung wird heruntergefahren. Der von Fraunhofer intelligentgemachte Boden meldet auch, wenn Kleinkinder nachts ihr Bett verlassen. Die jeweilige Information wird je nach Programmierung an ein Handy, eine Sirene oder einen Sicherheitsdienst gesendet.

„Zunächst wollten wir nur erkennen, ob ein Mensch gestürzt ist,“ sagt Wichert, unter dessen Leitung ein Forscherteam den cleveren Boden entwickelt hat. Dann sei aber schnell klar geworden, dass das System mehr kann. Das unterscheidet es auch von Konkurrenzprodukten, die teils schon am Markt sind, aber in der Regel eindimensional auf das Erkennen gestürzter Personen ausgelegt sind. Zudem funktioniert „CapFloor“ anders.

Konkurrenzprodukte haben die Sensoren, die Meldungen weitergeben, im Boden, was die Technik in der Wartung teuer macht. Ist ein Sensor kaputt, muss der Bodenbelag entfernt werden. „CapFloor“-Sensoren sind dagegen leicht zugänglich in der Fußleiste untergebracht.

Intelligent gemacht wird die Trittfläche durch ein Gitter aus einfachen Drähten, das fast unter jede Art von Boden inklusive Parkett gelegt werden kann und wartungsfrei ist. Es baut ein schwaches elektrisches Feld auf, das registriert, wenn sich ein Mensch darauf bewegt.

Für die Gesundheit ist das risikolos, sagen die Fraunhofer-Forscher. Während der Touchpad eines Laptops zum Beispiel mit schon unbedenklichen 20 Volt Spannung arbeitet, kommt der Boden mit einem Zehntel dessen aus. Die eigentliche Intelligenz der FhG-Erfindung liegt in der Software, die beliebig konfigurierbare Funktionen erlaubt.

Die Hoffnung ist, dass sich „Cap­Floor“ als Baustandard bei Neubauten durchsetzt. Das würde einen Riesenmarkt eröffnen. Aber auch bestehende Wohnungen können damit nachgerüstet werden. Derzeit rüstet Fraunhofer in Weiterstadt bei Darmstadt als Pilotprojekt 30 Altenwohnungen und eine Demenzwohngemeinschaft mit der Technologie aus.

„Es wird auf jeden Fall für einen normalen Geldbeutel bezahlbar und kein Luxusprodukt sein“, sagt ein Fraunhofer-Experte. Wer den intelligenten Boden in Fraunhofer-Lizenz fertigen wird, steht noch nicht fest. Die Forscher stehen derzeit in Verhandlung mit Kandidaten. Der Produktionsstart im kommenden Jahr sei aber sicher, heißt es.

von Thomas Maggenheim

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